München: Ost-westlicher Weltanschauungsdivan
Doppelter Dostojewski in München: Christian Stückl inszeniert «Schuld und Sühne» am Volkstheater, und Christopher Rüping gibt mit «Der Spieler» seinen Einstand an den Kammerspielen. Mit seinen ausschweifenden Romanen aus dem prärevolutionären Russland liefert Dostojewski nach wie vor ergiebiges Ansichtsmaterial für desillusionierte Westeuropäer angesichts wankender Wohlstandsgrenzen und bröckelnder Wertesysteme.
In München verhandelt Volkstheater-Intendant Christian Stückl mit «Schuld und Sühne» den Fall Raskolnikow in einer hitzig debattierenden Studenten-WG, in der um die versiffte Spüle herum um Selbstachtung und Lebensziele gerungen wird.
Zu Beginn lässt Stückl das Gedankengestöber in Raskolnikows Kopf wie in einer Waschmaschine wirbeln – so rasend, dass man es kaum schafft, Assoziationen zu all den Videoschnipseln west-östlicher Zivilisationskatastrophen nachzuliefern. Der Mensch, der in dem Bilderstrudel zappelt und sich schließlich mit einem Schrei herauskatapultiert, ist der gerade mal 24-jährige Paul Behren. Er zeigt beeindruckend, wie aus flackerndem Zweifel in sich gekehrte Entschlossenheit wächst und wie viel kalter Fanatismus in einem fast noch Kindergesicht Platz ...
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Theater heute Februar 2016
Rubrik: Chronik, Seite 51
von Silvia Stammen
Der Fall ist gleich gelöst, aber ein Herz bleibt zerrissen. Kleists «Der zerbrochne Krug», erzählt nicht so sehr als Höllensturz und Sündenfall des alten Adam, sondern als Evchen-Tragödie. Sie verliert den Glauben an die Menschheit. Ihr allein gehört zunächst die Bühne in den Bochumer Kammerspielen: Eves seelischer Not, die alles aussagen könnte, aber nichts sagen...
«Wahrscheinlich trage ich eine furchtbare Schuld, aber meine Gedanken sind ganz durcheinander, meine Seele ist in Trägheit erstarrt, und ich habe nicht die Kraft, mich zu verstehen.» (Iwanow)
1. MEIN MANTRA
Ich bin ein Mensch, ich bin ein Mensch, ich bin schon erwachsen, ich bin schon erwachsen, ich bin okay, das ist mein Mantra, das ist mein Mantra, das ist...
Dortmund, der Ort des achten Mordes des NSU-Trios, ist ein geeigneter Ort für Elfriede Jelineks «Das schweigende Mädchen». Beate Zschäpe schweigt, Elfriede Jelinek lässt sprechen. Jelinek hat sich vom schweigenden Mädchen zur schreibwütigen Nobelpreisträgerin therapiert («Ich bin schweigsam wie das Mädchen, hahaha!»). Das passt.
Michael Simons setzt als Regisseur...
