Mülheim/Ruhr: Unmoralischer Fixstern
Ist das jetzt Trotz? Regisseur Philipp Preuss geriet im letzten Jahr in eine Repräsentationsdebatte: Seine Uraufführung des Dramas «atlas» von Thomas Köck wurde seitens asiatisch-deutscher Kulturschaffender grundlegend dafür kritisiert, dass hier «weiße Menschen die Geschichten von Menschen of colour auf deren Kosten nutzen» würden. In Mülheim inszeniert der weiße Mann Philipp Preuss nun, mutmaßlich demonstrativ, ein Stück über weiße Männer: «Unterwerfung/Gegen den Strich». Das wirkt selbstironisch und ist wie immer technisch perfekt umgesetzt.
Eine funktionierende Kritik des Patriarchats mit all seinen Widerlichkeiten kann der Abend letztlich aber nicht entwickeln. Dem stehen die Protagonisten mit ihrer breitbeinigen Larmoyanz stoisch im Weg.
Das Setting von Bühnenbildnerin Ramallah Aubrecht lädt subtil und wirkungsvoll zur Verbrüderung ein: Etwa die Hälfte des Publikums sitzt zwischen den Schauspieler*innen an einer breiten, fast den ganzen Saal durchmessenden, festlich weiß gedeckten Tafel, der Rest auf Abstand in zweiter Reihe. Drumherum flackern teils verfremdete Live-Videos. Am Ende der Tafel fläzt Petra von der Beek im braunen Parka als Ekel François aus Michel Houellebecqs ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Mai 2020
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Cornelia Fiedler
Figuren:
Richard «Ricky» Martin/Alecto Dimitrij Schaad
Dr. Stefan Frank/Alecto Tim Porath
Tatjana/Alecto Marina Galic
Lana/Alecto Birgit Stöger
René André Szymanski
SZENE 1 – Introduction
Monolog Dimi Guten Abend, meine sehr geehrten Damen und Herren.
Bevor es losgeht, würde ich Sie gerne mit den neuen Privatsphäre-Einstellungen und Nutzungsbedingungen des Thalia...
hallo/hört uns jemand?/kann uns jemand», «ist wer/ist wer da?», «wir .../ – /wir sehn wir spürn nicht ob da wer» (…) «sind wir/sind wir allein?/da draußen»: Zu Beginn von Ewald Palmetshofers «Die Verlorenen» (Stückabdruck TH 12/19) reden verschiedene Stimmen, allesamt «eine*r» genannt, in die Dunkelheit des Zuschauerraums. So will es der Autor im Text, so...
Gianluca Passeri, laut Programmheft zuständig für das «Bewegungs- und Verhaltenstraining Affen», ist seiner Aufgabe bewundernswert kenntnisreich nachgegangen. Es ist die reine Freude, wie Robert Beyer, Jenny König, Genija Rykova und Mark Waschke die letzte Viertelstunde von Marius von Mayenburgs «Die Affen» über die Bühne krauchen, spitze Schreie absondern,...
