Nürnberg: Stramme Wadeln

Philipp Löhle «Andi Europäer»

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Vielleicht hat es sich Philipp Löhle mit «Andi Europäer», dem neuen Auftragswerk des Hausautors am Nürnberger Staatstheater, doch ein wenig leicht gemacht? Die Idee ist reizvoll, sicher, das Ergebnis dann aber doch eher plump: ein Gag-Potpourri mit vehement behauptetem radikalem Anspruch, der aber verpufft, weil er nur Vorurteile ausbreitet und das Naheliegende ins Rampenlicht zerrt.

Der Deutsche wahlweise als tumbes Weichei oder beschränkter Nationalist und, weil er dem «Afrikaner» die zivilisatorischen Flötentöne eintröten muss, eben ein Ewiggestriger: rassistisch bis in die strammen Wadeln, ohne einen Funken Toleranz, herrenunmenschlich von Geburt an und mit einer Heidenangst vor Überfremdung und anderen Attacken auf Wohlstand und Friedhofsruhe.

Löhle hat sich eine Situation zusammengebastelt, die durchaus auf realen Überlegungen fußt («… ist wirklich so», heißt es im Programmheft), in der Ausschlachtung für die Bühne aber nur wie ein müder Satireabend von Dieter-Nuhrscher Zielungenauigkeit wirkt. Dieser titelgebende «Andi» (Nicolas Frederick Djuren) ist ein typisch deutsches Vorzeigeexemplar, ein öder Bürger, dem man nicht mit Veränderungen seiner abgehakten Lebenseintönigkeit ...

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Theater heute Mai 2020
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Bernd Noack

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