Nürnberg: Stramme Wadeln
Vielleicht hat es sich Philipp Löhle mit «Andi Europäer», dem neuen Auftragswerk des Hausautors am Nürnberger Staatstheater, doch ein wenig leicht gemacht? Die Idee ist reizvoll, sicher, das Ergebnis dann aber doch eher plump: ein Gag-Potpourri mit vehement behauptetem radikalem Anspruch, der aber verpufft, weil er nur Vorurteile ausbreitet und das Naheliegende ins Rampenlicht zerrt.
Der Deutsche wahlweise als tumbes Weichei oder beschränkter Nationalist und, weil er dem «Afrikaner» die zivilisatorischen Flötentöne eintröten muss, eben ein Ewiggestriger: rassistisch bis in die strammen Wadeln, ohne einen Funken Toleranz, herrenunmenschlich von Geburt an und mit einer Heidenangst vor Überfremdung und anderen Attacken auf Wohlstand und Friedhofsruhe.
Löhle hat sich eine Situation zusammengebastelt, die durchaus auf realen Überlegungen fußt («… ist wirklich so», heißt es im Programmheft), in der Ausschlachtung für die Bühne aber nur wie ein müder Satireabend von Dieter-Nuhrscher Zielungenauigkeit wirkt. Dieser titelgebende «Andi» (Nicolas Frederick Djuren) ist ein typisch deutsches Vorzeigeexemplar, ein öder Bürger, dem man nicht mit Veränderungen seiner abgehakten Lebenseintönigkeit ...
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Theater heute Mai 2020
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Bernd Noack
Ich habe so viel radikale Empathie», bricht es aus Andela heraus. Wäre es anders, wäre sie auch gar nicht ins neue Cloudworking-Team aufgenommen worden. Damit die Empathie auch wirklich radikal bleibt, lässt Chefin Claudia nicht nur sie, sondern auch Tenzin, Adrian, Jasmina und Jan immer wieder vorm grellen Schreibtischlampenlicht niederknien, damit sie...
Der Humor darf nicht verloren gehen. Gerade wenn alles beklemmend wirkt. Wie in der Box des Deutschen Theaters Berlin an einem Freitag im März dieses Jahres. Man spielt «Zu der Zeit der Königinmutter» von Fiston Mwanza Mujila, ein nebulöses, flächiges Stück, das mit postkolonialistischer Grundierung von einer fiktiven «New Jersey Bar» erzählt und von den...
Figuren:
Richard «Ricky» Martin/Alecto Dimitrij Schaad
Dr. Stefan Frank/Alecto Tim Porath
Tatjana/Alecto Marina Galic
Lana/Alecto Birgit Stöger
René André Szymanski
SZENE 1 – Introduction
Monolog Dimi Guten Abend, meine sehr geehrten Damen und Herren.
Bevor es losgeht, würde ich Sie gerne mit den neuen Privatsphäre-Einstellungen und Nutzungsbedingungen des Thalia...
