Mülheim: Verfallsfreuden
Eine goldene Parallelwelt, einen elitären Schuhkarton des Reichtums hat die Bühnenbildnerin Ramallah Aubrecht im Theater an der Ruhr in Mülheim geschaffen. Grandios realitätsentrückt bauschen sich die glitzernden Lamettafäden, wenn die Windmaschine im «Shitstorm» anspringt, ansonsten sieht der Bühnenraum aus wie ein vergoldetes Gefängnis: eine Kitschfalle, hermetisch abgeschottet, unerreichbar für Realität, ein schönes Bild für die Abgehobenheit des Trump-Milliardärsuniversums – ohne dafür ein blondes Haarteil oder sonst ein direktes Nachrichtenbild zu verwenden.
Auch Elfriede Jelinek verwendet bekanntlich den Namen Donald Trump in ihrem Stück der Saison «Am Königsweg» nicht, beklagt statt dessen eine Welt in Verfall und kindlicher Regression, die nach trivialster Täuschung und einer ablenkenden Autoritätsfigur hungert – und sich damit selbstverschuldet jenen Menschen einbrockt, der vielleicht mal als perfekte Ausgeburt des Spätkapitalismus in die Geschichte eingehen wird. Wenn es so etwas wie Geschichte dann noch gibt. Mit Gold übergossen sind auch die vier Mitglieder zu Hofe, die durch Seitenaltäre auf die Bühne kommen, maskulin entspannt und allzeit bereit in Bademäntel ...
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Theater heute April 2018
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Dorothea Marcus
Rebekka Kricheldorfs «Fräulein Agnes» kritisiert sich mit Verve aus allen sozialen Zusammenhängen. Ibrahim Amirs «Homohalal» räumt mit allen Bessere-Menschen-Klischees im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise auf. Thomas Melles «Versetzung» zeigt, wie erstklassigem pädagogischen Personal die Wirklichkeit unter den Füßen verrutscht. In Maria Milisavljevics «Beben»...
Pläne der Redaktion
Elfriede Jelineks «Am Königsweg» verbindet mit einer Doppel-Nominierung die jährlichen Best-of-Treffenin Berlin und Mülheim: die Erwählten im Überblick, Porträts, Gespräche und Gegenstimmen
Comedy-Queen Idil Baydar erklärt in Falk Richters Hamburger «Königsweg»-Inszenierung als selbsternannte «Problem-Ausländerin» und «Konzept-Migrantin»...
Dieser Blick, überlegen, lauernd, unheimlich – dass der Kerl im Seidenanzug beruflich irgendwas mit schwarzer Magie macht, glaubt man sofort. Tartini heißt der zwielichtige Zampano aus Thomas Arzts neuem Stück «Die Anschläge von nächster Woche». Dominik Lindhorst-Apfelthaler spielt ihn in der Heidelberger Uraufführung mit einer Spur von Wahnsinn in den immer etwas...
