Momente der Öffnung
Ein Zaubertrick zum Festivalauftakt: Performerin und Tänzerin Maija Karhunen liegt auf der Bühne zwischen kreisenden Lichtkegeln und fischt nach Objekten: Schal, Notizbuch, Feuerzeug – allesamt im Foyer vom eintrudelnden Besucher eingesammelt, der da schon ahnen konnte, in «Ajima» selbst noch eine Rolle zu spielen. Karhunen greift Gegenstände, findet die Eigentümer:innnen im Publikum und beginnt seherisch zu deuteln: Eine große Last liege etwa auf dem Gürtelstifter, «aber in eineinhalb Jahren wird das wieder».
Anderen rät sie, sich weniger in den Mittelpunkt zu drängen oder «ihn» endlich anzurufen.
Die Spiegelung ist nicht subtil, aber von feinen Rissen durchzogen. Denn klar sind die mitunter absurden Wahrsagereien und Persönlichkeitsanalysen auch eine Retourkutsche: Karhunen hat die sogenannte Glasknochenkrankheit, ist als Künstlerin mit Behinderungen selbst ununterbrochen Erwartungshaltungen und Projektionen ausgesetzt, die mit Kunst oder ihrer Lebensrealität nicht das Geringste zu tun haben – und die fallen auch nicht weniger anmaßend und plump aus als ihr Fingerzeig ins Publikum. Nur erfährt man eben auch das: Wenn es einen selber trifft, dann fühlt sich auch Unsinn sonderbar ...
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Theater heute Dezember 2021
Rubrik: Festivals, Seite 42
von Jan-Paul Koopmann
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