Mit dem Chaos kommt das Leben
Lieber, lieber, sehr verehrter Frank Castorf, bitte machen Sie doch einmal in Ihrem Leben eine Inszenierung, die nicht über zweieinhalb Stunden dauert. Ich schwöre Ihnen: Es würde meine Lieblingsinszenierung des Jahrzehnts, mindestens, denn dass Sie eigentlich ein wunderbarer Regisseur sind, das ist Ihrem fünfstündigen «Hofmeister» von und nach J.M.R. Lenz im Zürcher Schiffbau durchaus anzusehen.
Schön wäre es nun auch, wenn wir aus dem Publikum die punktuelle Euphorie, die sich in überraschend großer Regelmäßigkeit einstellte (und uns damit leider auch vom Schlafen abhielt!!), in einem Zug durchhalten und durcherleben könnten. «Der Hofmeister» wäre dann nämlich wie eine ganz, ganz tolle Droge. So ist er wieder einmal eine virtuose Publikumszermürbung. Ist es wirklich das, was Sie wollen?
Paradiesvisionen Marke Castorf
Nun, es ist nicht anzunehmen, dass Frank Castorf, dieser stets übervolle und unmäßige Rosinenbomber des großen Assoziationstheaters, sich diesen Wunsch jemals zu Herzen nehmen würde. Obwohl ihm gerade Lenzens Hofmeister vormacht, wie es geht mit der Selbstbescheidung durch Selbstbeschneidung. Und dass man danach trotzdem ganz glücklich sein kann und auch noch mit ...
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Ein bisschen Abwechslung muss sein! Und immer Berlin ist auch langweilig. Also zieht es DT-Hausregisseur Andreas Kriegenburg mit Goldonis «Diener zweier Herren» nach Frankfurt, und Gorki-Chef Armin Petras verschlägt es erstmalig an die Münchner Kammerspiele. Auch in seinem Doppelprojekt «Krieg» meldet sich, neben Kleists tragischem «Robert Guiskard», Goldoni zu...
Einen grundsympathischen Parzival hat sich Lukas Bärfuss frei nach Wolfram von Eschenbach da ausgedacht: ein ordentlicher Zivilisations-Bildungsweg in zehn Szenen, der vom Kaspar-Hauser-Schicksal des in der Einöde aufgewachsenen Kindes über diverse Rittergroßtaten zur Gralsherrschaft führt, die man gut protestantisch erst durch Verzicht erreicht.
Einer, der die...
