Nürnberg: Rechter Spaßprediger
Viele der besonders geistlosen Sprüche und Sentenzen, die man auf Kundgebungen der AfD und bei Volksversammlungen von Pegida hört, erinnern fatal an das Vokabular, das in Deutschland nach 1933 in vieler Munde war. «Lügenpresse», «Überfremdung» oder auch «Schmarotzer», angewandt auf Flüchtlinge, die derzeit hier Sicherheit suchen, sind Wörter, die Adolf Hitler in seinem (jetzt wieder zugänglichen) Buch «Mein Kampf» (seinerzeit für Juden) verwendete.
Dies könnte Roland Schimmelpfennig im besorgten Sinn gehabt haben, als er sein Familien-Drama «Wintersonnenwende» schrieb: Hier bricht ein Fremder – Deutscher aus Paraguay – höchst freundlich in eine nur zum Schein intakte Gemeinschaft ein, und erst mit der Zeit wird klar, dass seine butterweichen Erzählungen durchtränkt sind von ewiggestrigem Gedankengut.
Das Perfide daran ist, dass dieser korrekte Herr Rudolph (in Nürnberg geschmeidig gespielt von Heimo Essl) gar nicht im Sinn hat, seine Mitmenschen zu indoktrinieren. Vielmehr plätschern seine rassistisch gefärbten Sätze ganz langsam, wie nebenbei in die Köpfe der anderen. Die faschistische Rhetorik hat längst etwas harmlos Alltagstaugliches, und mit ihr lässt sich wieder verführen: ...
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Theater heute März 2016
Rubrik: Chronik, Seite 60
von Bernd Noack
Bittersüße Melancholie und traumgleich verschobene Wahrnehmung – der Titel von Henriette Dushes bereits 2011 entstandener «Bühnenelegie» (ausgezeichnet mit dem Grabbe-Preis und dem Lenz-Preis für Dramatik) setzt zweifellos poetische Assoziationen frei. «Drei Spielerinnen» und einen «Männerchor von drei Stimmen» führt Dushe in diesem «dichten Birkenwald» zusammen,...
Nicht nur Fliegen wäre schöner, sondern auch schon ein Sonntagsausflug, bei dem nicht nachträglich die Biergartenzeche bis auf den Pfennig nachgerechnet würde. Dabei hat Otto «Mensch» Meier seine Träume ohnehin schon auf Miniaturformat geschrumpft, wenn er nachts im Hobbykeller an seinen Modellflugzeugen bastelt. Tagsüber ist er für 14 Schrauben am neuen BMW-Modell...
Dostojewski ist einer der Autoren, an die man einmal geglaubt haben muss. Für empfängliche Seelen ist das eine beglückende Zeit, man identifiziert sich mit des Russen irrsinnsnahem Allmitgefühl: sein spezielles Gespür für die Spielsucht des Spielers, die Zerrüttung des Mörders, die Fallsucht des Idioten. Später schämt man sich dann etwas für die...
