Im Sekten-Modus
Hegel wäre im Grab rotiert. Sein unerbittlicher Fortschrittsglaube an die Kraft der Vernunft, die die Zukunft der Menschheit schon in die richtigen Bahnen lenken werde, wird einfach umgedreht. Zwar probieren ein Mann und seine Frau zunächst alles, was die moderne Medizin hergibt, um doch noch das erträumte Wunschkind zu bekommen, aber dann kommt alles anders. Die Frau stirbt bei der Geburt, und zwar ausgerechnet an einer der tollen neuen Therapien, die zuvor so viel Geld gekostet haben.
Was den Mann nicht nur mit einem Neugeborenen auf dem Arm zurücklässt, sondern auch mit einem tiefen Misstrauen gegen die wissenschaftliche Erkenntnis im Allgemeinen.
Von da an öffnen sich die Höllentore des Rückschritts über mindestens vier Generationen und hundert Jahre, bis alle wieder auf dem Stand von einsilbig stammelnden, ländlichen Siedlern angekommen sind. Zunächst gründet der unglückliche Vater eine Widerstandsgruppe namens «Regression» (so der englische Original-Titel), die erst eine Weile im ideellen, dann halbterroristischen, schließlich extremistischen Untergrund vor sich hin agitiert. Zwei Generationen später haben sie schon die Macht übernommen mit allen Würden einer ...
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Theater heute 7 2022
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Franz Wille
Und dann kommen die Tränen. Rotz und Wasser, die ganze schöne FFP2-Maske voll. Das passiert eigentlich nicht im Theater. Theater ist Arbeit, intellektuelle Herausforderung, Genuss, verlorene Zeit, wiedergefundene Zeit. Aber «berührend», das ist in erster Linie ein Adjektiv, um in Kritiken einen perfekt inszenierten Moment zu schildern. Schuld daran ist Familie...
Es sind krasse Gegensätze, die sie in ihren Figuren zu vereinen weiß: etwa eine wunderliche Kindlichkeit, Unschuld, auch Unterwürfigkeit auf der einen Seite und eine gewisse Durchtriebenheit, lebenserfahrene Reife und Selbstbestimmtheit auf der anderen.
Agnes Sorel in Schillers «Jungfrau von Orleans» ist so eine Figur, der die junge Schauspielerin Vassilissa...
So ein Jubel war lange nicht am Schauspiel Düsseldorf, wo Abendgarderobe bis heute die Premierenoptik prägt und selbst bei Standing Ovations die Frisuren nicht verrutschen. Bei der Uraufführung von «Working Class» in der Regie von Bassam Ghazi sprüht eine andere Begeisterung aus den Publikumsreihen, Klatschen, Pfiffe, Trampeln. Der junge Mann neben mir ruft bei...
