Maßverhältnisse eines Ensembletheaters
Ein Ensemble ist ein Arbeits- und Beziehungszusammenhang auf Zeit. Wie jede Beziehungsarbeit kostet und produziert ein solcher Zusammenhang Kraft und Mühe. Sein Rohstoff ist der Reichtum an Handlungsenergie, an Erfahrung und an Fantasie der je einzelnen Individuen. Diesen Reichtum will ein Ensembletheater, das sich der Bedingungen seiner Möglichkeit bewusst ist, öffentlich freisetzen, transformieren in ein gemeinsames Projekt, will ihm eine Bühne geben.
Die Bedingung für einen solchen Prozess sei, schrieben Oskar Negt und Alexander Kluge vor mehr als 20 Jahren in ihren «Maßverhältnissen des Politischen», «dass die Menschen das, was sie träumen, was sie wollen und denken, ohne Verzerrungen und Brechungen durch die Gewaltmassen der Gesellschaft in Wirklichkeit umsetzen können».
Möglicherweise ist es hilfreich, die Vermutung von Negt/Kluge, dass das Politische als Substanzbegriff der Analyse unzugänglich sei, auf den Ensemblebegriff zu übertragen. Das Ensemble als Gedanke wie als Entität würde sich dann – wie die Elemente und Komponenten, aus denen sich das Politische speist – der begrifflichen Fixierung entziehen. Die Kraft eines Ensembles zeigt sich dann vor allem in den Formen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2015
Rubrik: Der Ensemble-Konsens, Seite 84
von Michael Börgerding
Wir, die Gruppe George Kaplan, haben ein empfindliches Gemüt. Unsere Zeit hängt uns zum Hals raus. Seit langem schon sind wir nur noch Gespenster unserer Existenz, Fahnenflüchtige, die durch ihre Rückzugsgebiete geistern. Wie durchsichtig wir uns selbst und der Welt erscheinen, erstaunt nur noch die Unaufmerksamsten unter uns.»
«George Kaplan» ist eine ebenso...
TH Sie alle hier am Tisch übernehmen in den nächsten zwei Jahren neue Theater, drei Schauspieltheater, die vor größeren Einschnitten stehen, als es übliche Intendantenwechsel sind. Aus ganz unterschiedlichen Gründen: Das Düsseldorfer Theater ist nach dem vorzeitigen Ende der Leitung von Staffan Valdemar Holm und zwei Interimsleitungen ziemlich am Boden; der Wechsel...
Den Moment, in dem Karin Bergmann zum ersten Mal begriffen hat, dass sie tatsächlich Burgtheaterdirektorin ist, kann sie genau benennen. 6. September 2014, 21.30 Uhr: Im Akademietheater ist gerade die Uraufführung von Wolfram Lotz’ «Die lächerliche Finsternis» über die Bühne gegangen. Dass die Inszenierung ein großer Wurf ist, hat kaum jemand im Saal übersehen. Und...
