Maßnahmen zur Wirklichkeitsverbesserung
Willkommen in der Wirklichkeit» – so hieß das Motto der 3. Perspektive deutsches Kino, die vor drei Jahren zusätzlich zur speziellen Präsentation und Förderung des Nachwuchses ins Berlinale-Programm gewuchtet wurde. Leider ergab sich bald der Eindruck, dass die Realität, in der die Filme ankamen, dieselbe war wie die, von der sie gestartet waren – nämlich die der Redaktion des Kleinen Fernsehspiels. Was andererseits keinesfalls die schlechteteste aller Welten ist.
Erstaunlicherweise waren die Dokumentarfilme die schwächsten Arbeiten des Programms.
Die Regisseurinnen schienen entweder der Wirklichkeit nicht zu trauen und halfen inszenatorisch nach (Judith Keil/Antje Kruska «Dancing With Myself») oder filmten so ungebrochen Banalitäten sprudelnde Talking Heads ab (Teresa Renn «Janine F.»), dass man nicht wusste, warum man sich das überhaupt angucken soll. Da liegt das Trickreiche am Umgang mit der hochgeschätzen Realität: Von sich aus gibt sie sich nicht immer sehr elaboriert, und auch der Unterhaltungswert muss bisweilen sehr gekonnt aus ihr herausgekitzelt werden.
Das versuchen Jörn Hintzer und Jakob Hüfner in «Weltverbesserungsmaßnahmen». Die ehemaligen Kunststudenten, die u.a. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die Arbeit des Andryi Zholdak, Direktor des Staatlichen Schwetschenko-Theaters in Charkow, einer Stadt, die man aus Tolstoj-Romanen bestens zu kennen glaubt, und Träger des Unesco-Regiepreises, wird gemeinhin als «Theaterwunder» bezeichnet. Muss man also mal unter die Lupe nehmen. Herr Zholdak stammt aus einer «Intellektuellenfamilie der Ukraine», wie es in allen...
Die EinmaligedeutscheTheaterlandschaftumdieunsdieganzeWeltbeneidet ermöglicht in reibungslosem Zusammenspiel mit der Deutschen Bahn einen tollen Inszenierungsvergleich: «König Lear» in je dreieinhalb Stunden in Hamburg und Bremen, in der glitzernden Großstadt und der an Schwarzbrot knabbernden Provinz. Am Ende jeweils qualvoller Tod und langanhaltendes,...
Autoren und Schauspieler mögen Monologe, weil es darin keine Widerrede gibt. Die Theater schätzen Soloabende, weil sie billig und leicht zu disponieren sind. Der Zuschauer aber bezahlt nicht selten den vollen Preis für eine halbe Sache. Entweder der Monolog verweigert sich dem Theater – was auf der Bühne häufig eine Überdosis «Kunst» zur Folge hat. Oder der Monolog...
