Anarchie im Zentrum der Macht
Der Bühnenboden ist hochgeklappt und präsentiert ein großes plastisches Bild. Es könnte eine Satellitenaufnahme des Irak sein. Wäre das der Fall, lägen unten im Süden die Ausgrabungsstätten von Ur und weiter oben Bagdad. Etwas später klappt der geopolitisch brisante Ausschnitt der Welt einfach weg und wird zum Spielgrund einer «Egmont»-Variante, in der die niederländischen Glaubenskriege des 16. Jahrhunderts als eine heutige Geschichte staatlicher Verwahrlosung erzählt werden.
Zuerst allerdings kommt eine der Schauspielerinnen in den Zuschauerraum und gibt einen Text von Giorgio Agamben zum Besten. Seine These, westliche Demokratien hätten unter dem Diktat des Antiterror-Krieges den Ausnahmezustand zur staatstragenden Idee erhoben, wird von Ute Fiedler klar in Richtung Publikum gesprochen, und man darf nach diesem Auftakt annehmen, Sebastian Baumgarten werde in den kommenden zwei Stunden eine entschiedene Interpretation von Goethes «Egmont» vorlegen.
So kommt es denn auch. Baumgarten hat Passagen des parallel zum «Faust» geschriebenen Freiheitsdramas gestrichen und dabei den schwülstigen Ton aus dem Stück genommen, der es ungenießbar macht. Schon Schiller ließ dem Stück eine ...
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