Marx oder Murx?
Einst zierten sie als staatlich verordnete Ladenhüter sämtliche DDR-Buchhandlungen. Freiwilligen Absatz fanden sie zur Verwunderung lesefreudiger DDR-Bürger, die stets nach verbotener Westliteratur lechzten und mit «Marxismus-Leninismus» als ideologischem Pflichtfach traktiert wurden, nur unter linken Studenten aus Westdeutschland, die sie dringend für ihre revolutionären Theorieschulungskurse benötigten.
Preiswert genug waren sie ja, auch für den schmalsten Studentengeldbeutel: die als «Die blauen Bände» bekannten, von den Instituten für Marxismus-Leninismus in Moskau und Ostberlin edierten, im Ostberliner Karl Dietz Verlag herausgegebenen «Marx Engels Werke», kurz «MEW».
Nach dem Untergang des SED-Staates schienen die «blauen Bände» eine Zeit lang nur noch fragwürdigen nostalgischen Wert zu besitzen – ähnlich wie das Ost-Ampelmännchen oder die NVA-Uniformstücke und rotbesternte Mützen der Sowjetarmee, die den Touristen am Berliner Checkpoint Charlie als Ramschware feilgeboten wurden. Doch jetzt sind sie unversehens wieder da. Jedenfalls sind der 23., 24. und 25. Band der «MEW», «Das Kapital Band eins bis drei», im unveränderten Nachdruck der Ausgabe von 1962 und im ...
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