Maria Milisavljevic: Beben
Die Personen
Wir. Wer immer und wie viele wir auch sind.
Raging furious, the flames of desire
Ran through heaven and earth, living flames,
Intelligent, organized, armed
With destruction and plagues. In the midst
The Eternal Prophet, bound in a chain,
Compelled to watch Urizen’s shadow.
William Blake, The Book of Los
Ich schlafe nicht mehr. Ich schlafe seit Tagen nicht mehr.
Ich atme nicht mehr. Nur wenn sie schauen.
Nur wenn sie schauen, um zu sehen, dass die Luft dampft.
Die Luft vor meinem Mund. Er atmet. Sagen
sie dann. Wenigstens das. Und dass sie nicht verstehen, wie einer so werden kann.
Atme. Atme. Er atmet. Sagen sie und sind zufrieden.
Ich atme. Auch wenn ich gar nicht will. Denn sie lassen sie mir nicht. Die Stille. Alles. Ich. Es hat nichts mit ihnen zu tun. Aber sie haben es sich zu Eigen gemacht, haben es mir genommen und
die Tür verschlossen. Und hin und wieder durch dieses Fenster dort geschaut, um zu sehen, ob
ich noch atme.
Dabei will ich lauschen. In die Stille hinein. Um etwas zu finden, in dieser Stille. Vielleicht eine Antwort. Darauf, wie es soweit kommen konnte.
Ich hatte einen furchtbaren Traum. Ich träumte,
mein Sohn läge tot in meinen Armen.
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Theater heute August/September 2017
Rubrik: Stückabdruck, Seite 99
von Maria Milisavljevic
Es ist so puuuh, so äääh, geradezu uaargh: ein Bruderkuss, feindliche Soldaten reichen sich die Hände, Liebe und Versöhnung zum Finale. Der Schluss von Maria Milisavljevics «Beben» lässt einen sprachlos zurück ob seiner unverschämten Naivität – und gerade damit gelingt der Autorin ein Volltreffer. Milisavljevic hat nicht etwa ein Feelgood-Movie für die Bühne...
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