Berlin: Liederbuch des Monströsen

Marta Górnicka «Hymne an die Liebe» (U)

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Ganz zum Schluss erwischt er einen dann doch noch, der Moment emotionaler Überwältigung. Ein Distanzverlust, der die Kontrolle der körperlichen Reaktionen vorübergehend dem vegetativen Nervensystem überlässt – Gänsehaut. Denn auf der Bühne ereignet sich ein Temperatursturz: Der gerade noch ausgesprochen lebendige Chor steht jetzt still in fahlem Licht, die Menschen fast Schatten. Dann stimmt er Johann Sebastian Bachs «Matthäus-Passion» an: «Kommt Ihr Töchter, helft mir klagen ...

» Marta Górnicka beendet ihre «Hym­ne an die Liebe» mit dem Reenactment einer alten Schwarzweiß-Fotografie aus dem ukrainischen Konzentrationslager Janowska.

Das Bild der jüdischen Musiker aus dem nahe gelegenen Lemberg, die das tägliche Leben im Lager – Arbeitsmärsche, Selektion, Massenerschießungen und öffentliche Misshandlungen – mit deutschen Märschen, klassischer Musik und Vorkriegsoperette akustisch untermalen mussten, habe sie während der ganzen Arbeit am Projekt verfolgt, erklärt Górnicka im Programmheft. «Musik hat im Holocaust eine Rolle gespielt. Ich beschäftige mich mit der Allianz zwischen Lied und Mord.» Und weil dem kollektiven Mord die Selektion vorangeht – die säuberliche Trennung des ...

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Theater heute August/September 2017
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Anja Quickert

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