«Marco war en Schmusekind»

Tatort Potzlow: Der Dokumentarfilmer Andres Veiel und die Dramaturgin Gesine Schmidt haben aus ihrer Langzeitrecherche rund um einen brutalen Mord in der Uckermark ein Theaterstück gemacht – und in Basel und Berlin uraufgeführt

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Dieser Text lässt sich nicht einfach abschütteln. Er nistet sich ein, beißt sich fest, kriecht ein paar Nächte lang übers Kopfkissen. Er hinterlässt Bilder eines abscheulichen Verbrechens: Nach der Lektüre sieht man mondbeschienene Feldwege vor sich, leere Bierkästen Marke «Sternburger» und Springerstiefel, die nach einem erschöpften Körper treten. Man hört einen betrunkenen Teenager panisch «Ich bin ein Jude» lallen und später das Krachen von Knochen. Dabei hat man in diesem Text weit mehr erfahren als das, was in dieser schnapsschweren Sommernacht geschah.

Der Mord von Potzlow, verübt am 13. Juli 2002, ist längst durch die Presse gegangen. Damals haben drei junge Kerle, das Brüderpaar Marco (23) und Marcel (17) Schönfeld und ihr Kumpel Sebastian Fink (auch 17), den 16-jährigen Marinus Schöberl mehr zufällig als systematisch stundenlang gequält und gedemütigt, ihm schließlich nach mehreren Anläufen den Schädel zertrümmert, seine Leiche in der Jauchegrube eines alten Schweinestalls verscharrt und sich zu Bett gelegt. Das Verbrechen machte auch deshalb Schlagzeilen, weil Marinus’ Leiche erst nach sechs Monaten entdeckt wurde, die Täter aus dem Dunstkreis der Neonazis kamen und weil ...

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Theater heute Juni 2005
Rubrik: Das Stück, Seite 46
von Eva Behrendt

Vergriffen
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