Mannheim: Nachkriegstollhaus

nach Heinrich Böll «Ansichten eines Clowns»

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Ein wenig verwundert es schon, dass das Nationaltheater Mannheim jetzt ausgerechnet Heinrich Bölls «Ansichten eines Clowns» auf die Bühne bringt, einen Roman, dem der Mief der 1950er Jahre anzuheften scheint und der satt ist an gutmenschlicher Moral und Empörung, die heute nicht mehr so recht en vogue sind.

Doch der passionierte Nonkonformist Hans Schnier, aus dessen Perspektive Böll erzählt, der clownesken Witz und ebensolche Melancholie gegen das starre gesellschaftliche Korsett der Nachkriegsjahre setzt, der empört notiert, wie seine Eltern ihr Fähnchen in den jeweiligen politischen Wind hängen und der misstrauisch auf die Umtriebe der katholischen Kirche reagiert – dieser Hans Schnier also taugt auch ganz wunderbar als Alter Ego des Künstlers, der sich gesellschaftlichen Zwängen und Selbstverständlichkeiten entgegenstellt, ja diese erst kenntlich macht. 

Als solchen Wiedergänger zeigt ihn jedenfalls der russische Regisseur und Choreograf Maxim Didenko, der erstmals in Deutschland inszeniert, hier aber kein Unbekannter ist: Als Schauspieler war er Mitglied des russisch-deutschen Ensembles «Derevo» in Dresden, beim Weimarer Kunstfest zeigte er im vergangenen Jahr als Gastspiel ...

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Theater heute Juni 2019
Rubrik: Chronik, Seite 52
von Esther Boldt

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