Kaiserslautern: Fish Face for Future
Wenn Brandenburg zum Sehnsuchtsort werden kann, dann muss der Alltag traurig aussehen. So wie der von E. Er verlässt nie seine kleine Wohnung. Beziehungen überfordern ihn. Er spricht ausschließlich mit einem Fisch, der im Glas seine Runden dreht. Draußen tobt derweil die Klimakatastrophe, irgendwann schwappen sogar Wellen an E.s Fenster. Die lange geplante Brandenburg-Reise dürfte sich damit erledigt haben. Das Bundesland seiner Träume wird weitgehend unter Wasser liegen, sobald die Polkappen abgeschmolzen sind. So weit, so trist.
Deprivation und Depression stehen aber in Nele Stuhlers mit dem Else-Lasker-Schüler-Stückepreis 2018 ausgezeichnetem Drama «Fische» nicht im Zentrum. Sie sind eher der Normalzustand, Symptome einer gesellschaftsunfähigen Gesellschaft. In diese ödeste aller möglichen Welten setzt sie zwei seltsame isolierte Wesen, E. und Fisch, und zwischen die beiden eine seltsam normale, krisenanfällige, beglückende, anstrengende Liebe.
Marie Scharf kann ganz unglaublich fischig gucken in der Uraufführung, die Christopher Haninger in Kaiserslautern inszeniert. Sie tut das nicht etwa, um Fischs Fischidentität zu unterstreichen. Sie tut es ausschließlich, um E. dessen ...
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Theater heute Juni 2019
Rubrik: Chronik, Seite 50
von Cornelia Fiedler
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