Klimatheater: Genuss und Bestürzung
Nicht, dass niemand es hat kommen sehen! Eine riesige, hässliche «Welle» aus Polstern, Kissen, in gewaltige Säcke gestopften Hüpfbällen und Füllmaterialien wälzt sich in Zeitlupe aus der Bühnentiefe in Richtung Rampe. Anscheinend wird sie von vier Showcase-Beat-Le-Mot-Performern nach vorne geschoben (gelegenlich sieht man zufällig einen Arm oder Kopf). Etliche Bühnenmeter lang beobachtet das Publikum den umständlichen Prozess in aller Kunst- und Seelenruhe.
Erst ein bis zwei Meter vor der ersten Reihe kommt Unruhe auf: Im letzten Moment machen sich einige beherzte Zuschauerinnen an die Arbeit, versuchen, die Polsterwand zu stoppen, werfen Objekte zurück, um dem Wandel Einhalt zu gebieten.
Ein simples, aber doch triftiges und vermutlich improvisiertes Szenario (im Programmheft war eine LED-Performance angekündigt) steuerte die vor nun auch schon 22 Jahren gegründete Gruppe Showase Beat Le Mot zum 5. Monologfestival am Berliner Theaterdiscounter bei, passend zum bei UNO-Generalsekretär Antonio Guterres entlehnten Festivalmotto «Alarmstufe Rot». Zehn Eigenproduktionen, die den Monolog-Begriff erfreulich weit auffassten, hatten die Kurator*innen Janette Mickan und Michael Müller bei ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Januar 2020
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Eva Behrendt
Man sitzt auf rotem Samt im Cuvilliéstheater, feinstes Rokoko aus dem 18. Jahrhundert, vorrevolutionär versteht sich, als Fürsten die Kunst gern noch zum Spiegel ihrer Herrlichkeit erklärten. Auf der Bühne vorn an der Rampe aufgereiht vier rote Polsterstühle wie in den Logen, dahinter schwebt eine dunkle Wand, mindestens fünf mal fünf Meter, aus...
Willy Werchow (Sebastian Kowski) dürfte für viele Ex-DDRlerinnen und -DDRler ziemlich anschlussfähig sein: Als Leiter der Druckerei «Aufbruch» in der thüringischen Provinz arrangiert er sich zwar so weit mit dem System, dass es ihm keine Schwierigkeiten macht, aber auch nur so weit, dass er noch einigermaßen selbstachtungsverlustfrei in den Spiegel schauen kann....
Im Anfang ist da nur dieses eine Wort. Klingt natürlich im Englischen viel charmanter, und noch charmanter klingt es, wenn es aus dem Munde eines echten Gentleman herausströmt wie ein Stück Sahnecremetorte. Und genau so ist auch der Auftritt von Sir Henry zu Beginn von «Howl» in der Volksbühne Berlin: Im eleganten Anzug, auf dem Haupt einen schicken schwarzen Hut,...
