«Man möchte kotzen»
Irgendwo hat man den Mann schon einmal gesehen. Wahrscheinlich in einem dieser New-York-Filme, in dem der Chefredakteur in einer Kabine am Ende des Großraumbüros residiert. Dort sitzt er am Schreibtisch, das Hemd frisch gebügelt, den Knopf am Hals offen, darüber Hosenträger wie Larry King, und blickt seinem gegenüber hart-aber-herzlich in die Augen. Ehrliche Arbeitsatmosphäre soll herrschen, handwerkliche Kompetenz statt intellektuellem Chichi.
Die Rolle des Presse-Patriarchen hat «Spiegel»-Kulturchef Matthias Matussek wie kein zweiter drauf, und er zelebriert sie allwöchentlich in seinem Videoblog auf «Spiegel»-Online. Auch wenn Matussek darin angeblich nur «Kulturtipps» erteilt, geht es um mehr als eine Blütenlese aus dem beschaulichen Garten der Hochkultur. Der ehemalige US-Korrespondent unterscheidet säuberlich zwischen Gut und Böse und verortet auf der Seite des Feindes einen «völlig verluderten Theaterbetrieb» samt unfähiger Theaterkritik, gegen die er einen obsessiven und argumentfreien Feldzug führt.
«Provinz, Provinz, Provinz, Krawall, Provinz, Provinz!», posaunte Matussek im Staccato nach der Eröffnung des Berliner Theatertreffens mit «Ulrike Maria Stuart», die er hübsch ...
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Es war einmal die Schweiz. Die Schweiz ist ein sehr kleines Land. Seine Medienherde grast zum größten Teil in Zürich, auf engstem Raume. Geheimtipps sprechen sich dort schnell herum, so schnell wie in olympischen Dörfern. So kam es, dass eine junge Frau in den wichtigen Wochenmagazinen beschrieben und gepriesen und zur prominenten Dramatikerin erklärt wurde,...
Im Sommer des Jahres 1994 saß ich an einem besonders heißen Tag auf einer Parkbank und schaute einem aufgebrachten Schwan dabei zu, wie er einen Mann quer über den Rasen jagte. Er gab dabei böse Laute von sich, und der Mann schlug Haken und flitzte, als nichts zu helfen schien, bei Rot über die Straße. Komischerweise blieb der Schwan stehen, drehte sich um und...
Hübsch ist es und mit seiner pseudobarocken Fassade eine jener Schatullen, in der man Andenken aufbewahrt, um gelegentlich mit der Vergangenheit zu spielen. Dass es in diesem Gebäude um Theater gehen soll, glaubt man im ersten Moment nicht, und letzten Herbst war kurzzeitig auch tatsächlich Ruhe im Karton. Die damals amtierende Oberbürgermeisterin musste das...
