«Man möchte kotzen»
Irgendwo hat man den Mann schon einmal gesehen. Wahrscheinlich in einem dieser New-York-Filme, in dem der Chefredakteur in einer Kabine am Ende des Großraumbüros residiert. Dort sitzt er am Schreibtisch, das Hemd frisch gebügelt, den Knopf am Hals offen, darüber Hosenträger wie Larry King, und blickt seinem gegenüber hart-aber-herzlich in die Augen. Ehrliche Arbeitsatmosphäre soll herrschen, handwerkliche Kompetenz statt intellektuellem Chichi.
Die Rolle des Presse-Patriarchen hat «Spiegel»-Kulturchef Matthias Matussek wie kein zweiter drauf, und er zelebriert sie allwöchentlich in seinem Videoblog auf «Spiegel»-Online. Auch wenn Matussek darin angeblich nur «Kulturtipps» erteilt, geht es um mehr als eine Blütenlese aus dem beschaulichen Garten der Hochkultur. Der ehemalige US-Korrespondent unterscheidet säuberlich zwischen Gut und Böse und verortet auf der Seite des Feindes einen «völlig verluderten Theaterbetrieb» samt unfähiger Theaterkritik, gegen die er einen obsessiven und argumentfreien Feldzug führt.
«Provinz, Provinz, Provinz, Krawall, Provinz, Provinz!», posaunte Matussek im Staccato nach der Eröffnung des Berliner Theatertreffens mit «Ulrike Maria Stuart», die er hübsch ...
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Victor Flemings «Der Zauberer von Oz» von 1939 ist ein skurriler Film. Ein Mädchen aus Kansas träumt sich während eines Hurrikans in eine Zauberwelt, in der es, begleitet von seinem Hund, einer Vogelscheuche, einem Blechmann und einem recht würdelosen Löwen die bösen Hexen des Ostens und Westens besiegt. Das Skurrile an «Der Zauberer von Oz» ist die Mischung aus...
Medea als Migrantin gab es in dieser Saison schon des öfteren zu sehen. Aber wohl nie so deutlich wie jetzt in Stuttgart. Da schließt Volker Lösch in bewährter Chor-Aktualisierungs-Manier ein Restgerippe von Euripides’ Dramentext mit den Lebensberichten von 16 Stuttgarterinnen aus türkischen Familien kurz. Der Anlass laut Programmheft: Stuttgart ist nach Frankfurt...
Wenn du Probleme hast, ruf nicht die Polizei, ruf lieber die Räuber, heißt es in einem Samba von Chico Buarque. Damit wäre das Imageproblem der brasilianischen Polizei ziemlich klar umrissen. Würde man jeden der zehneinhalb Millionen Bewohner São Paulos nach seinen persönlichen Kollisionen mit der Staatsgewalt fragen, bekäme man wahrscheinlich an die dreißig...
