Wildmöwe, 2. Teil

Roland Schimmelpfennig «Besuch bei dem Vater»

Theater heute - Logo

Die Deutschen sind fortpflanzungsunwillig – eine bekannte Diagnose. Roland Schimmelpfennig bietet eine originelle Erklärung dafür: Schuld sind die fortpflanzungsfreudigen Altväter. Die penetrante Präpotenz der Älteren erstickt die Fähigkeit der Jüngeren, das Leben weiterzugeben.

Schimmelpfennig konstruiert sich einen nicht unwahrscheinlichen Fall: Ein mittelalter Mann zeugt mit einer flüchtigen Bekanntschaft einen Sohn, von dessen Existenz er nichts erfährt.

Die Mutter erzählt dem Sohn, der Vater sei gestorben und stirbt selbst nach zwanzig Jahren an Krebs, nicht ohne ihrem Sohn das Geheimnis seiner Herkunft zu enthüllen und ihm die Adresse des Vaters zu geben. Damit ist die dramatische Situation etabliert: Heimkehr des unbekannten Sohnes, Konfrontation von Vater und Sohn am Kreuzweg. 

Schimmelpfennig lässt den «Fremdling mit Anspruch auf Nähe» in einen Hühnerhof platzen, der von einem ergrauten Hahn beherrscht wird. Es ist ein mecklenburgisches Landhaus, auf dem ein pensionierter deutscher Anglist mit seiner sechzigjährigen Frau, ihrer beider Tochter, einer Tochter der Frau aus ers­ter Ehe und einer Nichte lebt, außerdem kommen gerade eine alte Bekannte und ihre Tochter zu Besuch. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juli 2007
Rubrik: Chronik, Seite 46
von Gerhard Preusser

Vergriffen
Weitere Beiträge
Outsourcing der Gefühle

Die besondere Qualität von Jugendwerken liegt nicht selten in der Vehemenz, ja Unverhältnismäßigkeit der Mittel, mit der sie ein einmal gesetztes Ziel verfolgen. Im Fall von Heinrich von Kleists Schauerstück «Die Familie Schroffenstein» scheint es, der Autor wolle den inhärenten Schrecken der Liebe mit den kruden Schrecknissen einer feindlichen Umwelt wie den...

Die Plebejer kommen

Jürgen Gosch lässt seine beiden kurz aufeinander folgenden Shakespeare-Inszenierungen in dem nahezu gleichen, von Johannes Schütz gebauten, hellen, tiefen, leeren Kasten mit leicht auf­steigendem Boden stattfinden: «Wie es euch gefällt» am Staatstheater Hannover und der – mehrfach verschobene – «Sommernachtstraum» im Deutschen Theater Berlin. Der Gegensatz von Hof...

Pressestimmen zu Peter Steins «Wallenstein»

Wahnsinn Drama

Es richtet sich die Welt nach seinem Bilde und duldet keine Korrekturen an diesem Bild. Er geis­tert durch alle Sphären, hat die Sterne und den Kosmos, das größte Ganze im Blick – aber nur, um es seiner Beschränktheit schlau zu unterwerfen. Was er nicht sieht, das sollen die anderen auch nicht sehen, was er nicht fühlt, sie auch nicht fühlen, was er...