Authentizismus und Verzweiflung

Über die Notwendigkeit, Rollenspiel und Selbstdarstellung in der Schwebe zu halten – Rocktheater von Frank Zappa bis Schorsch Kamerun

Theater heute - Logo

1971 sah ich die «Mothers Of Invention» in der Hamburger Musikhalle. Frank Zappa hatte das alte Ensemble aus hochmusikalischen und mons­trös-kostümierten kalifornischen Freaks fast komplett ausgetauscht und teilweise durch Mitglieder der verblassten Folk-Pop-Truppe «The Turtles» ersetzt. Im Mittelpunkt standen nun deren ehemalige Sänger Marc Volman und Howard Kaylan, die sich «The Phlorescent Leech & Eddie» (später «Flo & Eddie») nann­ten und die man sich als eine frühe Version des bekannten Kiffer-Komiker-­Duos Cheech & Chong vorstellen kann.

Volman und Kaylen waren die ersten Pop-Musiker, die ich gesehen habe, die auf der Bühne Rollen spielten. 

Im Mittelpunkt von Zappas 71er Tour stand eine aus einer Reihe von Sketchen bestehende, zusammenhängende, etwas öde Macho-Geschichte von einer tourenden Rockband und ihren Erlebnissen mit Groupies und Drogen, mit Motels und der Musikindustrie. Diese Story wurde allerdings mit Enthusiasmus gespielt, nicht nur gesungen, sondern auch in gesprochenen Dia­logen, manchmal mit Begleitung durch die Rhythmusgruppe vorgetragen, und es war klar, dass Volman und Kaylan nicht im eigenen Namen sprachen, sondern Rollen spielten. Dieses Rollen­spiel in ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juli 2007
Rubrik: Posen und Performance, Seite 12
von Diedrich Diederichsen

Vergriffen
Weitere Beiträge
Fragen der Menschenwürde?

Die rückstandlose Verbühnung der epischen Literatur ist nicht mehr aufzuhalten. «Die Buddenbrooks» und «Der Zauberberg», «Der Idiot» und «Schuld und Sühne», «Elemen­tarteilchen» und «Der Mann ohne Eigenschaften», nichts ist vor dem Zugriff gewiefter Dramaturgen sicher; der Einwand, der Autor habe sich ja vielleicht etwas dabei gedacht, als er diese und nicht eine...

The "Struggle" is over

Im vergangenen Jahr feierte Athol Fugard, der international gespielte Altmeister des südafrikanischen Theaters, seinen 75. Geburtstag mit einem neuen Stück, «Booitjie & Oubaas» (etwa: Jungchen und Altbauer), in der Regie der erfahrenen Janice Honeyman und mit dem herausragenden Marius Weyers in der Rolle des siechen Alten. Das rührende, wenn auch nicht...

Outsourcing der Gefühle

Die besondere Qualität von Jugendwerken liegt nicht selten in der Vehemenz, ja Unverhältnismäßigkeit der Mittel, mit der sie ein einmal gesetztes Ziel verfolgen. Im Fall von Heinrich von Kleists Schauerstück «Die Familie Schroffenstein» scheint es, der Autor wolle den inhärenten Schrecken der Liebe mit den kruden Schrecknissen einer feindlichen Umwelt wie den...