«Man ist im freien Theater anders verantwortlich»

Zum Monat der freien Festivals: Ein Gespräch mit Kathrin Tiedemann, Klaus Dörr und Wilfried Schulz

Theater heute - Logo

Theater heute Das Stadttheater, heißt es immer wieder, gräbt der Freien Szene die besten Leute ab, stürzt sich auf verheißungsvolle Talente und innovative Ansätze. Wilfried Schulz, was haben Sie als Intendant des Staatsschauspiels Hannover in den letzten Jahren so aus der Freien Szene abgeschöpft?

Wilfried Schulz Ich glaube, der Übergang ist schon seit längerer Zeit fließend. Ein relativ neues Phänomen ist vielleicht, dass heute auch Leute in die Freie Szene zurückgehen.

Regisseure wie Nicolas Stemann, Sebastian Nübling, Christiane Pohle oder Sandra Strunz, die aus der Freien Szene kommen und längst am Stadttheater etabliert sind. Aber wo steht geschrieben, dass man das nicht darf? Wir kooperieren doch alle fröhlich miteinander.

TH Kann man unter diesen Umständen freies Theater überhaupt noch vom Stadttheater abgrenzen?

Kathrin Tiedemann Zur Freien Szene gehören ja diverse Strukturen, die gar nicht so leicht unter einen definitorischen Hut zu bringen sind. Was sie aber auf jeden Fall vom Stadttheater unterscheidet, ist die projektbezogene Arbeit. Jeder, der freies Theater macht, sieht sich ständig mit Jurys konfrontiert, muss Projektanträge stellen, auf Entscheidungen von Fonds und ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute November 2005
Rubrik: Foyer, Seite 1
von Barbara Burckhardt, Franz Wille, Eva Behrendt

Vergriffen
Weitere Beiträge
Flaute am Meer

In der Not der Erfindung ist die Hoffnung das Archiv. Dort liegen die gesicherten Schätze der Vergangenheit für all jene griffbereit, die Angst haben, etwas falsch zu machen. Und das Archiv als solches ist heute so groß, tief und weltumspannend, dass der arme Künstler, der mit dem Mut den Einfall verloren hat, vielleicht sogar hoffen darf, fremde Ideen unbemerkt...

Von Neumannflasche bis Goebbelsschnauze

In «Lob der Blindheit», dem zentralen Text seines Buches «Rundfunk als Hörkunst», polemisierte der Film- und Radiotheoretiker Rudolf Arnheim schon 1936 gegen jenen «unausstehlichen Typ von Kunstgenießer», der ein Kunstwerk danach beurteilt, wie stark es seine «Fantasie» anrege. Man habe sich streng daran zu halten, was vom Künstler geboten werde, und keinesfalls...

Hass, die höchste Form der Liebe

Der Kabuki-Klassiker «Tokaido Yotsuya Kaidan» ist jedem Japaner geläufig, aber niemand scheint ihn richtig zu kennen. Alle, die ich befragte, erzählten die Geschichte von der Frau mit dem entstellten Gesicht, die zum Geist wird, und dann wussten sie nicht weiter. Dabei ist das nur eine, wenn auch die berühmteste von gut zwei Dutzend Szenen. Selbst im ehrwürdigen...