Hass, die höchste Form der Liebe
Der Kabuki-Klassiker «Tokaido Yotsuya Kaidan» ist jedem Japaner geläufig, aber niemand scheint ihn richtig zu kennen. Alle, die ich befragte, erzählten die Geschichte von der Frau mit dem entstellten Gesicht, die zum Geist wird, und dann wussten sie nicht weiter. Dabei ist das nur eine, wenn auch die berühmteste von gut zwei Dutzend Szenen. Selbst im ehrwürdigen Kabuki-za in Tokio wird meist nur diese eine gespielt – solche Best-of-Verschnitte mit Fetzen aus verschiedenen Stücken sind bei Einheimischen wie Touristen gleichermaßen beliebt.
Das liegt liegt daran, dass die Kabuki-Dramen endlos lang sind, dieses etwa, im Westen unter dem englischen Titel «Yotsuya Ghost Story» bekannt, umfasst glatte 300 Seiten und an die 50 Figuren.
Ein Ballett der Ratten
Der Autor Tsuruya Namboku (1755–1829) malt ein breit angelegtes Sittengemälde: 1825 geschrieben, zeigt das Stück den Verfall der Ständegesellschaft als gierigen Überlebenskampf einer früheren Epoche. Die Kritik an Egoismus und Gewalttätigkeit des Großstadtlebens war sicher auf seine eigene Zeit gemünzt, aber in historischer Verkleidung bot sie der Zensur weniger Angriffsfläche. Was er präsentiert, ist eine Wolfsgesellschaft, in der ...
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Mit Symbolfarben ist es so eine Sache. Drei Tage vor der deutschen Hauruck-Wahl, die anschließend in Macho-Gedröhn und rechthaberischem Patt versandete, konnte man beim Betreten des Zuschauerraums in Düsseldorf für einen Moment glauben, in eine Wahlveranstaltung für die Kanzlerkandidatin der CDU geraten zu sein: Orangenes Licht ergießt sich über den Zuschauerraum,...
Zwei Pokerspieler, die ihre Karten nie offen auf den Tisch legen. Ost und West. Die Einsätze wachsen und schrumpfen im spekulativen Feuer; der Bluff blüht. Das Weiterspielen allein zählt, no game over. Dann fällt die Mauer 1989, die Karten sinken. Mit runtergelassenen Hosen steht der Zocker Ost. Wie kann man jetzt noch weiterspielen, wo sich das Blatt des Partners...
Wäre das Fernsehen eine überregionale Tageszeitung, wäre die «Kulturzeit» das Feuilleton. Jenes Zeitungsbuch also, das der kulturbeflissene Leser schlechterdings nicht ignorieren, wohl aber sorgsam gefaltet für eine spätere Musestunde zur Seite legen kann. Genau da fängt das Problem für die «Kulturzeit» an: Das Fernsehen mag mit seinen verschiedenen...
