Mainz Staatstheater: Die hohe Kunst des Ferndialogs

Beau Willimon «Tage des Verrats» (DSE)

Theater heute - Logo

Kurz nach dem Corona-Lockdown im März registrierte man noch mit kindlichem Staunen all die Verhaltensveränderungen, mit denen die Menschen auf der Straße scheinbar signalisierten: Wir haben verstanden, dass ein pandemischer Virus uns gerade Grenzen aufzeigt. Jetzt, nach Monaten der häuslichen Quarantäne, ist da nicht mehr diese staunende Ergriffenheit angesichts eines von Seuchen-Regeln durchdrungenen Alltags.

Es macht sich eher ein mulmiges Gefühl breit: Ist es eigentlich zulässig, schon wieder in einem voll besetzten ICE zu reisen und kurz darauf in einem Theaterraum zu sitzen? Die ersten Premieren nach den Quarantäne-Wochen waren ein Test für die Theater, ob ein verantwortungsvoller Spielbetrieb in Zeiten von Corona zu gewährleisten ist. In Mainz war zu sehen, dass das durchaus funktioniert, der Preis allerdings hoch sein kann.

Es fehlt die Direktheit eines Zusammentreffens im öffentlichen Raum. Alle verhielten sich wie Musterschüler der Covid-19-Prävention, und das hatte zur Folge, dass man in einem mehr oder weniger sterilen Theater unterwegs war. «Tage des Verrats» von Drehbuchautor und Filmproduzent Beau Willimon wurde 2008 am Off-Broadway uraufgeführt, drei Jahre später ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Oktober 2020
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Jürgen Berger

Weitere Beiträge
Einladung zur Verinselung

Der Ozean schäumt, gischtet, brandet. Wellen türmen sich zu enormer Höhe auf, Wassermassen schieben heran, ein schwarzgraues, dunkles Wogen, das in weißer, brodelnder Gischt endet, während sich im Hintergrund schon die nächsten Riesenwellen aufschichten, schieben, gischten, bis sie brechen. Der silbergraue Himmel geht unterschiedslos in wütendes Wasser über....

Das Salzach-Modell

Als das Corona-Virus im Frühjahr den Großteil des sozialen und kulturellen Lebens lahmlegte, wurden nicht nur die Theater und Konzertsäle geschlossen, auch die großen Festivals wurden reihenweise abgesagt. Theatertreffen, Wiener Festwochen, Mülheim, Avignon, Cannes, Bregenz, Bayreuth, Ruhrtriennale – alles gecancelt. Alles? Nein, ausgerechnet die Salzburger...

Vorschau - Impressum (10/2020)

Drama und Theorie sind immer noch Männer­sache, wenn man auf den Kanon und die einschlägigen Lexika sieht: über Frauen und ihren langen Weg in die Unsterblichkeit

Marina Galic, gerade erst Anfang 40, spielt schon seit über 20 Jahren in den besten Ensembles: an der Schaubühne, am Münchner Residenztheater, am Hamburger Thalia Theater. Ein Porträt

Alles nur...