Große Debatten, kleine Routinen

Saisonstart am Berliner Ensemble mit Olga Grjasnowas «Gott ist nicht schüchtern» und Ferdinand von Schirachs «Gott»

Theater heute - Logo

Kurz bevor der Brand des griechischen Geflüchtetenlagers Moria Europa und die Deutschen daran erinnerte, dass alle Flucht- und erst recht alle Menschlichkeitsprobleme ungelöst sind, startete das Berliner Ensemble mit einer Roman-Adaption über den Syrienkonflikt in die neue Saison. «Gott ist nicht schüchtern» (2017), der nach einer Koran-Sure betitelte dritte Roman der 1984 geborenen Olga Grjasnowa, erzählt die Geschichte dreier junger Syrer*innen von der Aufbruchsstimmung im Arabischen Frühling bis zu ihrer Ankunft in der Bundesrepublik.

Sie kommen aus einem liberalen Milieu, das der Berliner Kultur- und Akademikerblase durchaus ähnelt: Die Schauspielerin Amal, der Regiestudent Youssef und der Arzt Hammoudi, der gerade in Paris Wurzeln zu schlagen begann, sind allesamt gebildet, säkular, emanzipiert.

Und doch zeichnen sich zwischen den dreien kleine Unterschiede ab. Die stolze Amal kommt aus wohlhabendem und regimetreuem Elternhaus; ihr Mitwirken am Protest führt zum Zerwürfnis mit ihrem Vater, der behauptet, sie nicht länger schützen zu können. Mit dem jüdischen Youssef, der sie zu den Demonstrationen eingeladen hat, macht sie sich nach Station in Beirut auf den Weg übers ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Oktober 2020
Rubrik: Aufführungen, Seite 29
von Eva Behrendt

Weitere Beiträge
Mit allen Mitteln der Kunst

Wie spielt man in einem großen Haus Repertoiretheater trotz Pandemie? Am Hamburger Thalia versucht man es so: beschränkte Platzzahl, Plexiglasscheiben zwischen den Logen, ein Irrgarten von Zugängen ins Haus. Dabei geht es in Antú Romero Nunes’ «Ode an die Freiheit» um den Versuch, das Freiheitspathos aus drei Schiller-Dramen zu schälen. Also um politische Freiheit...

Die große Frage

Der beste Moment in Pauls Leben, jedenfalls wenn es nach seiner Erzäh­lerin Sibylle Berg geht, war der, als er sich mit 15 in einen Mitschüler verliebt hat. Eine Nacht im Zelt am See – das muss genügen. Was davor und danach kam, ist das Durchschnitts-Unglück des mittleren Angestellten ohne besondere Eigenschaften: «Dieses Wissen, nichts zu können / die Ahnung,...

Daten (10/2020)

Aachen, Theater
9. Lachmann, Krumbein und Wilmington, Unnützes Wissen – Eine szenisch-musikalische Revue-Collage im Geist der Aufklärung (U)

R. Malte C. Lachmann
10. Giraudoux, Die Irre von Chaillot
R. Ewa Teilmans
23. Breuer und Zeppenfeld, Lokal Europa. Ein Planspiel über globale Systeme, lokale Nachbarschaft und afrikanische Hühner (U)
R. Dominik Breuer
 

Aalen,...