Große Debatten, kleine Routinen
Kurz bevor der Brand des griechischen Geflüchtetenlagers Moria Europa und die Deutschen daran erinnerte, dass alle Flucht- und erst recht alle Menschlichkeitsprobleme ungelöst sind, startete das Berliner Ensemble mit einer Roman-Adaption über den Syrienkonflikt in die neue Saison. «Gott ist nicht schüchtern» (2017), der nach einer Koran-Sure betitelte dritte Roman der 1984 geborenen Olga Grjasnowa, erzählt die Geschichte dreier junger Syrer*innen von der Aufbruchsstimmung im Arabischen Frühling bis zu ihrer Ankunft in der Bundesrepublik.
Sie kommen aus einem liberalen Milieu, das der Berliner Kultur- und Akademikerblase durchaus ähnelt: Die Schauspielerin Amal, der Regiestudent Youssef und der Arzt Hammoudi, der gerade in Paris Wurzeln zu schlagen begann, sind allesamt gebildet, säkular, emanzipiert.
Und doch zeichnen sich zwischen den dreien kleine Unterschiede ab. Die stolze Amal kommt aus wohlhabendem und regimetreuem Elternhaus; ihr Mitwirken am Protest führt zum Zerwürfnis mit ihrem Vater, der behauptet, sie nicht länger schützen zu können. Mit dem jüdischen Youssef, der sie zu den Demonstrationen eingeladen hat, macht sie sich nach Station in Beirut auf den Weg übers ...
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Theater heute Oktober 2020
Rubrik: Aufführungen, Seite 29
von Eva Behrendt
Mit der Forschung zu Pina Bauschs Werk verhält es sich umgekehrt proportional zu ihrem Ruf. Als Choreografin ist sie weltberühmt und fast schon so etwas wie ein deutsches Kulturerbe, in der tanzwissenschaftlichen Forschung kommt sie fast gar nicht mehr vor. Nach einer ersten Erkundungswelle in den späten 1970er und 1980er Jahren, deren Erkenntnisse bis heute den...
Der Eisbär hat keine Zukunft. Das Überleben des weltgrößten Landraubtiers ist akut gefährdet, weil die Klimakatastrophe das arktische Eis schmelzen lässt, was dem Tier den Zugang zu seinen Jagdgründen verwehrt. Der Eisbär wird also aus seinem Habitat vertrieben, und wo er stattdessen unterkommen soll, ist noch nicht ausgemacht. Er wird schon was finden. Oder auch...
Lacht nicht über mich, ich bin ein alberner und altersschwacher Mann» – und keiner lacht. Lears Weg von Amtsmüdigkeit zu Altersstarrsinn zu Kontrollverlust, Gedächtnisschwund und Identitätsaufweichung ist dem Publikum ein bekannter Weg. Johan Simons schickt in seiner Bochumer Inszenierung den König Lear vorweg schon auf die Bühne mit der Bitte um Nachsicht.
Aber...
