Macht nichts!
Vor neun Jahren hat Peter Zadek den «Kirschgarten« inszeniert, im Wiener Akademietheater, in einer puppenstubenkleinen Welt für ganz große Schauspieler, Angela Winkler und Sepp Bierbichler: ein melancholischer, vor subversiver Erotik flirrender Abgesang auf die Vergänglichkeit und den Zauber des ewigen Spiels.
Drei Jahre später in Basel räumte Stefan Pucher mit dem Charme des Abgelebten dann so gründlich auf wie mit der Hoffnung auf irgendeine irgendwie erfreulich zu nennende Zukunft: Im leeren Raum ohne jedes atmosphärische Detail breiteten seine Figuren einen schnöden Befund in wünschenswerter Deutlichkeit rampennah aus: Over! Wer geglaubt hatte, damit wäre es auch mit der Beliebtheit des «Kirschgartens« auf deutschen Bühnen endgültig vorbei, irrte. Gerade wieder und pünktlich zur Zeit der Kirschblüte konnte man zwei neue Versuche mit Anton Tschechows melancholischer Komödie besichtigen, in Düsseldorf und, da capo, in Wien. Was kann das 100 Jahre alte Stück aus dem Übergang von Feudalismus zu Kapitalismus uns zu Hartz IV und den Gespenstern der Globalisierung erzählen?
Stilvoll verarmen
In Düsseldorf scheint sich Intendantin Anna Badora die Bühnenillustration eines Bestsellers ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Schampus für alle. Die Party steigt im Schauspielhaus. Champagner-Flaschen gehen durch die Reihen, die Schauspieler begrüßen die Zuschauer wie alte Bekannte: «Schön, dass ihr da seid.» Die Bühne ist sowieso nur die Fortsetzung des Zuschauerraums mit anderen Mitteln (oder umgekehrt), dessen Holztäfelung wurde auf der Bühne weitergeführt, dort stehen die Stühle auch...
Die Szene sieht stark nach Geisterbahn aus und könnte so auch als «Haunted House» in Disneyland durchgehen. Oder als Setting eines gruseligen Computerspiels. Ein langer Tisch zieht sich über die volle Bühnenbreite, an dessen oberen Enden zwei grotesk aussehende fette Kinder sitzen – links ein in schrilles Gelb gewandetes Mädchen (Corinna Beilharz) und gegenüber ein...
Die Geschichte des Hörspiels ist eine Geschichte von Kurzschlüssen. Das erste Hörspiel überhaupt, Richard Hughes’ «A Comedy of Danger», uraufgeführt vom Londoner Rundfunk am 15. Januar 1924, spielte in einem Bergwerk, in dem das Licht ausgefallen war. Ebenso kurzschlüssig meinte man, die Hörspielbühne sei als eine Art Blindentheater besonders für die Darstellung...
