Der Boulevard ist nicht blöd

Noch mehr Molière: Werner Düggelin macht in Zürich aus «Der Geizige» einen kühl-realistischen Gegenentwurf zu «Die fetten Jahre sind vorbei»

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André Jung ist Thorsten Fechner. In zweiter Linie. In erster Linie ist André Jung natürlich Harpagnon, der Geizige von Molière, aber dieser Jungsche Geizige kommt nun in all seinen geldgierigen und triebunterdrückten Äußerungen exakt genau so daher wie der ebenfalls äußerst geizige Thorsten Fechner aus der ARD-Daily-Soap «Marienhof». Außerdem ist «Marienhof» die Lieblingssoap von Christoph Marthaler und ebenfalls eine Herzensangelegenheit des Schauspielers Joseph Ostendorf.

Und auch wenn Marthaler und Ostendorf nichts mit dem von Werner Düggelin inszenierten «Geizigen» am Zürcher Schauspielhaus zu tun haben, so gehören sie doch beide noch zu den Paten im Geist von ziemlich vielem, was in dieser letzten prä-Hartmannschen Saison in Zürich über die Bühne ging. Und die Ära Marthaler mitsamt ihrer letzten Verlängerung wäre ohne André Jung genauso wenig denkbar gewesen wie der «Marienhof» ohne Thorsten Fechner. 

Der ist nämlich schon seit 1600 Folgen dabei, führt ebenso lange seinen Billigladen M&P, was in einem andern Europa mal so viel wie «Mark und Pfennig» bedeutete, und nur in den seltensten Fällen besiegt bei Thorsten Fechner die Liebe zu den Menschen, insbesondere zu den ...

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Theater heute Juni 2005
Rubrik: Aufführungen, Seite 16
von Simone Meier

Vergriffen
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