Lyrisch organisierte Verbrechen
Die extreme Gewalt, von der Hakim Bah in «Auf dem Rasen» erzählt, bleibt sonderbar verhüllt in Sprache. Dabei steht alles wortwörtlich drin in dem mitunter schwer zu ertragenden Text: Soldaten eines Schurkenregimes schlagen Demonstrantinnen tot, vergewaltigen sie mit Gewehrläufen, lassen sie in Containern verwesen oder schmeißen sie ins Meer. Aber mit jeder ausformulierten Grässlichkeit drängt die Frage etwas mehr, warum eigentlich so unangenehm verdaulich bleibt, was einem da aufgetischt wird. Zum Teil dürfte es daran liegen, dass keiner dazu sagt, wie wahr die Geschichte ist.
In Hakim Bahs Heimat Guinea weiß man es eh: Das Massaker im Stadion von Conakry ist zum Trauma einer Generation geworden – und das Morden hat auch heute kein Ende. Aber weiß man das in Osnabrück? Regisseur Tim Egloff versucht jedenfalls gar nicht erst, die Verortung des Stoffs nachzuholen, den er gute zehn Jahre nach seiner Entstehung und bald 13 nach dem Massaker zur deutschen Erstaufführung bringt. Es bleibt ein freischwebendes Kammerspiel, in dem Mario Lopatta als Kommandant Fick-Schiss und «die Gefreite» Laila Richter zwischen Mauerschau und Paranoia jene Ereignisse verhandeln, über deren Hintergrund sie ...
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Theater heute Mai 2022
Rubrik: Chronik, Seite 62
von Jan-Paul Koopmann
AACHEN, THEATER
6. Churchill, In weiter Ferne
R. Martin Schulze
ANSBACH, THEATER
7. Strömquist, I’m every woman (DE)
R. Maike Bouschen
14. Walser, Ich bin wie ihr, ich liebe Äpfel
R. Laurent Gröflin
AUGSBURG, STAATSTHEATER
8. Horváth, Geschichten aus dem Wiener Wald
R. Sebastian Schug
BADEN-BADEN, THEATER
22. Cervantes, Don Quijote
R. Birga Ipsen
28....
Wenn die Welt so düster wird, braucht man den Blick in eine helle Zukunft. Den bietet uns Bonn Park mit seiner Weltraumoper «Rückkehr zu den Sternen». Aber um diesen Blick ins lichte 24. Jahrhundert zu tun, muss man vergessen. Alles vergessen, was man über die Gegenwart weiß.
Vorbild ist die Achtziger-Jahre-Fernsehserie «Raumschiff Enterprise», basierend auf der...
Zweimal schon musste die Jury erklären, warum sich keine spontane Flut von Corona-Dramatik über die deutschsprachige Theaterlandschaft ergossen hat. Jetzt, zur dritten Ausgabe der Mülheimer Theatertage seit Pandemie-Beginn, gibt es jedoch ein Stück mit dem sperrigen Titel «Lärm. Blindes Sehen. Blinde sehen!»: Elfriede Jelinek, die seit Jahrzehnten an den...
