Luxus der Provinz

John von Düffel, langjähriger Dramaturg in Berlin und Leiter des Studiengangs Szenisches Schreiben an der UdK Berlin, hat das ETA Hoffmann Theater in Bamberg übernommen

Theater heute - Logo

Am Ende, nach knapp fünf Jahren, schrieb er: «... so war ich doch im Innersten überzeugt, um nicht auf immer verloren zu sein, Bamberg so schnell als möglich verlassen zu müssen ...» In den «Fränkischen Merkur» ließ er eine Anzeige rücken, zwischen deren drei freundlichen Zeilen für jeden Eingeweihten nichts als Hohn und Spott, Sarkasmus und Verbitterung hervorlugte: «Seinen Gönnern und wohlwollenden Freunden empfiehlt sich bei seiner Abreise (…) ganz ergebenst, Bamberg, den 21. April 1813, der Musikdirektor Hoffmann.

»

«Gönner» und «wohlwollend» – von wegen! Und «ergebenst» war nichts als eine sehr durchsichtige Umschreibung für «erleichtert». Denn hinter Ernst Theodor Amadeus Hoffmann lag eine Zeit, die ihm wie ein Alptraum vorkam, wie ein schlechtes und grausiges Fantasiestück, beinahe wie aus eigener Feder. Diese geduckte und ausweglos enge, kleinbürgerliche und erzfromme Stadt, dieses unselige Bamberg mit seinen viel zu vielen Kirchtürmen und Brauereien wollte ihn nicht, verstand ihn nicht, verdiente ihn nicht: «Erinnern Sie sich nur lebhaft an mein Leben in Bamberg vom ersten Augenblicke meiner Ankunft, und Sie werden gestehen, dass alles wie eine feindliche dämonische Kraft ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Mai 2026
Rubrik: Start, Seite 54
von Bernd Noack

Weitere Beiträge
Weniger ist mehr

Der Maler Malewitsch war einen weiten Weg gegangen, bis er 1918 das epochale weiße Quadrat schuf. «Weiß auf Weiß». Es war der suprematistische Schlusspunkt eines Strebens nach immer radikalerer Abstraktion, nach Aufhebung der Gestalt in der reinen immateriellen Geistigkeit. Die letzte Reduktion von Farbe und Form.

Einen gänzlich anderen Weg verfolgte der Maler...

Showroom 5/26

BERLIN, KÄTHE-KOLLWITZ-MUSEUM bis 3.5.
Käthe Kollwitz und das Theater 
beleuchtet die enge Verbindung der Künstlerin zur Theaterwelt ihrer Zeit. Anhand von Briefen, Tagebüchern und zahlreichen Leihgaben wird deutlich, wie prägend Theaterbesuche für ihr Leben und Werk waren. Im kulturellen Umfeld der Berliner Moderne – mit Regisseuren wie Max Reinhardt und Otto Brahm...

Blühende Zukünfte

Im November 1989, gerade war die Mauer gefallen, war Wolf Biermann nicht nur froh. In einem Brief an Sarah Kirsch notiert er seine zwiespältigen Gefühle. Als zwangsausgebürgerter Staatsfeind der DDR sieht er den Sieg der Opposition und muss feststellen: «Denen geht’s prima, die brauchen mich nicht mehr.» Er sinniert über das «alte Elend der Exilierten: Er hofft,...