Locked in forever

Maya Arad Yasurs «Blaue Stille» in Memmingen

Theater heute - Logo

Die Wege eines Theaterstücks sind manchmal verschlungen. In diesem Fall führt der Umstand, dass die in München lebende israelische Regisseurin Sapir Heller sowohl bereits am Landestheater Schwaben als auch ein Stück von Maya Arad Yasur inszeniert hat (2018 die DE von «Amsterdam» am Münchner Volkstheater) folgerichtig dazu, dass das neue Stück der gefragten israelischen Dramatikerin seine Uraufführung im tiefsten Allgäu erlebte. 

Das passt insofern gut, als dass «Blaue Stille» tatsächlich überall spielen könnte.

Die beiden Protagonisten – Sie (Agnes Decker) und Er (Jens Schnarre) –, die sich da in einer Art Escape Room begegnen, wissen jedenfalls nicht, wo sie sich befinden, und können sich noch nicht einmal erinnern, wer sie sind und ob sie überhaupt etwas miteinander zu tun haben. Valentina Pino Reyes (Bühne und Kostüm) hat für dieses bizarre Blinddate die Drehbühne in Drittel aufgeteilt, ins erste Tortenstück ein schlichtes, klinisch weißes Interieur gebaut – mit jeweils zwei Klinken innen an den beiden Türen – und auch die Eingeschlossenen in blütenweiße Wäsche und Silberperücken gesteckt. 

Wenn sie sich mittels abstruser Codes nach und nach in weitere Segmente vorarbeiten, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Februar 2021
Rubrik: Aufführungen, Seite 53
von Silvia Stammen

Weitere Beiträge
«Hallo?! ... Hörst du mich noch?!»

Okay, es ist dunkel, nasskalt und windig, und ausgerechnet jetzt soll ich spazieren gehen. Freiwillig würde ich bei so einem Wetter ja keinen Fuß vor die Tür setzen, aber ich bin verabredet, also führt kein Weg drumrum. Genauer gesagt habe ich mich zum sogenannten «BE Walk Spezial» angemeldet, einem Spaziergang auf Distanz, mit dem das Berliner Ensemble sein...

Vom Sehnsuchtsraum hinterm Nadelöhr

Breitbeinig steht er da, der schmalbrüstige Jüngling Woyzeck, dünn und blass und rätselhaft. Winzige Gebärden, etwa ein leicht zur Seite geneigter Kopf, zeugen von seinem Weltverlust. Steifhalsig lehnt er sich schräg nach hinten, wenn jemand zu ihm spricht. Sylvana Krappatsch kann beides glaubwürdig spielen: gestandene Frauen und junge Männer, ja sogar Kinder. In...

Der Türöffner

Wolfgang Schuch verdanke ich seit langem schon sehr viel. Sein Verlust berührt mich tief, insbesondere weil er einer der ersten Theaterleute außerhalb Kataloniens war, der sich für unsere Dramatik interessierte, sie verstand und wertschätzte. Was gleichermaßen auch für unsere Sprache gilt, für unsere ganze Art, zu sein und zu handeln, für die katalanische Kultur....