Liebestod und Hirnsalat
Der große Liebesfinalkreis schließt sich pathetisch, als Achill tot ist. Da hält Penthesilea die blutverschmierte Leiche auf ihrem Schoß, Musik brandet auf, und ihr verbaler Selbstmord ist beschlossen. Mächtig aufgetürmt ergießt sich das tragische Gefühl von der steilen Bühnenrampe ins andächtig gebannte Publikum und von da in den Schlussapplaus. Die große Oper befindet sich in Frankfurt eigentlich im Nebengebäude, aber solche Kleinigkeiten haben Michael Thalheimer noch nie gestört. «Vor welcher Tat ich steh, begreif ich wohl. / Doch stärker als Vernunft ist Leidenschaft.
/ Aus ihr entstehen der Menschen schwerste Leiden.» Das Zitat stammt zwar aus «Medea», Thalheimers letzter Tragödie in Frankfurt, doch es passt auch auf Kleists «Penthesilea», jedenfalls wenn man sie auf antikes Tragödienmaß bringen will.
Penthesileas wie Achills Dilemma ist nicht besonders kompliziert: Ihrer durchaus gegenseitigen Liebe steht die solide verinnerlichte preußische Gesellschaftsregel entgegen, dass man den anderen vor dem Vergnügen erst militärisch zu erobern hat. Auf dem Schlachtfeld kann allerdings nur einer gewinnen. Zuerst ist es Achill, der Penthesilea besiegt und der aus der Ohnmacht ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Februar 2016
Rubrik: Aufführungen, Seite 18
von Franz Wille
Doppelter Dostojewski in München: Christian Stückl inszeniert «Schuld und Sühne» am Volkstheater, und Christopher Rüping gibt mit «Der Spieler» seinen Einstand an den Kammerspielen. Mit seinen ausschweifenden Romanen aus dem prärevolutionären Russland liefert Dostojewski nach wie vor ergiebiges Ansichtsmaterial für desillusionierte Westeuropäer angesichts wankender...
Ein Kino. Febo Maris «Cenere« (1916) wird gezeigt, der einzige Film mit dem italienischen Theaterstar Eleonora Duse (1858–1924). Und mehrere Minuten dieses Films eröffnen John Neumeiers Ballett «Duse», stumm, in eine Ecke der Bühne verbannt, eine beeindruckende szenische Lösung, aber auch ein bisschen verschenkt. Denn um den heute nur schwer erhältlichen Film geht...
Aalen, Theater der Stadt
12. Vekemans, Gift – Eine Ehegeschichte
R. Tonio Kleinknecht
Altenburg/Gera, TPT
13. Lorca, Bluthochzeit
R. Akillas Karazissis (Altenburg)
Annaberg, Eduard-von-Winterstein-Theater
7. Shakespeare,
Der Widerspenstigen Zähmung
R. Tamara Korber
Augsburg, Sensemble Theater
20. Kaurismäki, I Hired a Contract Killer
R. Sebastian Seidel
Augsburg, Theater
6....
