Liebe, Tod, Sehnsucht und Glück
Die meist älteren Damen und Herren des Publikums hatten es sich im gedämpften Deko-Klassizismus des oberen DT-Foyers bequem gemacht, der Hausherr Ulrich Khuon sprach zur Eröffnung vom Theater, in dem es auf jeden Fall ums Ganze, mindestens aber den ganzen Mensch und die ganze Welt gehe, und alles wartete nur noch gespannt auf die obligatorische Samstagsnachmittagsrede, mit der die Autorentheatertage des Deutschen Theaters traditionell eröffnen.
Schon in den letzten beiden Jahren hatten die jeweiligen Chefjuroren ihren Redeauftrag zu aufstörenden Rumpelreden genutzt, um entweder auf die angeblich inflationäre Dramatikerüberföderung hinzuweisen (Till Briegleb) oder in Luther-Manier stark-dunkle Thesen an die Stuckwand zu nageln à la «Es gibt kein zeitgenössisches Theaterstück» (Peter Michalzik).
Auch in diesem Jahr wurden die Zuhörer nicht enttäuscht. Jury-Sprecherin Barbara Behrendt, die sich aufopferungsvoll durch 175 eingesandte Manuskripte gelesen hatte und darin leider nicht das große Stück zur Flüchtlingskrise oder zum nach rechts driftenden Europa gefunden hatte, entschuldigte das Fehlen durch Vorwurf. Schließlich sei das Theater kein Informations-, sondern ein ...
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Theater heute August/September 2016
Rubrik: Aufführungen/Neue Stücke, Seite 15
von Franz Wille
Lauter gute Menschen: Der 70-jährige österreichische Rentner, der Flüchtlinge im Asylverfahren berät und zur Not auch aus dem Abschiebevollzug holt. Die 80-jährige Schweizerin, die seit Jahrzehnten gegen die dortige Asylpolitik kämpft und sich darüber eine Art Adoptivfamilie aufgebaut hat. Die energische Studienrätin, die für ihre Schützlinge gegen das Jugendamt...
Von und über den Regisseur Walter Felsenstein, besonders über seine erfolgreichen, als vorbildliche Beispiele «realistischen Musiktheaters» gefeierten Inszenierungen an der Berliner Komischen Oper von 1947 bis 1975, sind viele Bücher, Monografien und Bildbände publiziert worden. Jetzt aber bietet die 1362 Seiten umfassende «dokumentarische Biografie» von Boris...
Ganz ehrlich, vor vier Jahren hätte ich nicht unbedingt darauf gewettet, dass der blauäugige Junge mit dem verstrubbelten Blondschopf, der da mit Charme und Chuzpe zum ersten Mal in einer Hauptrolle über die Bühne des Münchner Residenztheaters hechtete, schon bald als Ausnahmespieler von sich reden machen würde. Gefeiert wurde er schon damals von seinem...
