Selbst und Selbste
Da steht die Familie, so heilig und rein, sanft summend, klingend, harmonisch und schön. Nur Emil passt nicht mehr richtig hinein. Der religiös erzogene Sohn (Mathias Spaan) hat düstere Gedanken, die so gar nicht zum heilen Familienschein passen wollen. Auf der Ballhof-Bühne lässt er uns daran teilhaben. Ein umgekehrtes Bühnen-Portal hat die Regisseurin Barbara Bürk aufbauen lassen. Emil steht am Inspizienten-Pult neben dem Vorhang, von hier leitet er die Erzählung seines eigenen Lebens.
Hinter dem Vorhang ist wahlweise ein riesiger Zuschauersaal zu sehen, aus dessen erster Reihe Vater, Mutter und Schwester fassungslos auf das gucken, was aus ihrem Sohn geworden ist. Der erliegt zunehmend der Gedankenwelt des neuen Mitschülers Demian (Philippe Goos), der nicht zufällig genauso aussieht wie er selbst. Demian repräsentiert schon in der leicht durchschaubaren Hesse-Vorlage die verdrängten Triebe, die angeblich dunkle Seite von Emils Selbst.
Der versucht in Bildern wie aus einem Traum, seine Identität zu finden. Immer mehr Vorhänge gehen hinter dem Bühnenportal auf, der Sprung ins eigene Leben wird zu einem Sprung aus dem Familien-Theater, das keinen Raum lässt für die Entdeckung der ...
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Theater heute August/September 2016
Rubrik: Chronik, Seite 66
von Alexander Kohlmann
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