William Shakespeare: «Timon von Athen»
Zugegeben: ein Stück aus dem Giftschrank der Theaterliteratur, ein Spätwerk Shakespeares (aller Wahrscheinlichkeit nach aus den Jahren 1605 bis 7/8), das er selbst nie aufgeführt hat. Viele Philologen glauben, dass Shakespeare die Arbeit am Werk vorzeitig abbrach, manche gehen davon aus, dass einige Szenen der ersten Druckfassung von 1623 von anderen Autoren stammen. Jedenfalls ein sonderbares, bitteres Stück; seine Handlung ist schnell skizziert, von fast schematischer Vorhersehbarkeit: Der schwerreiche Timon verschwendet und verschenkt sein Geld aus vollen Händen.
Es folgt der unvermeidliche Bankrott. Timon glaubt, seine Freunde werden ihm die frühere Großzügigkeit entgelten, aber er wird enttäuscht. Politiker (Geschäfts-)Freunde, Künstler, die er förderte: Alle lassen ihn im Stich. Daraufhin flüchtet Timon in den Wald, verflucht die Menschen, verflucht Geld und Gold und begeht Selbstmord.
Das Stück ist eine Skizze, sprunghaft, braucht unübersehbar einen entschiedenen inszenatorischen Zugriff (erinnert sei an die beeindruckende Inszenierung von Frank-Patrick Steckel 1990 am Schauspielhaus Bochum). Aber es beschreibt den Alptraum einer Welt, in der der Handel «Gott» geworden ist ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Eine Stellenanzeige in der «Zeit» war der erste Schritt in die Öffentlichkeit: Köln soll eine neue unabhängige monatliche Zeitung für Darstellende Künste erhalten, dafür wurde, überregional wohlgemerkt, ein hochmotivierter Chefredakteur gesucht.
Kulturpolitisch bemerkenswert: Die Initiatoren der neuen Theaterzeitung sind die Kölner Theater selbst, durch ihre...
Viel Unglück für Ursula, Anfang 60, alleinstehend, kinderlos. Abends wird sie von ihrer unerbittlich geselligen Mutter terrorisiert, mittags von der netten Kollegin Sabine niedergeredet. Zwischendurch flieht sie in erotische Fantasien mit Harald, ihrem ersten Freund. Dann stirbt die Mutter, und Ursula wird arbeitslos. Folgt ein freudloser Urlaubsversuch und eine...
Wer zur Zeit und bis ins «Kulturhauptstadt»-Jahr 2010 hinein auf der A 40 von und nach Bochum fährt, gerät ins Stocken. Eine beidseitig kilometerlange Baustelle macht die verengte Spur zur Slalomstrecke, hier ein blockierter Abzweig, dort eine unplanmäßige Ausbuchtung, mal eine Sperrlinie, eine Hemmschwelle, eine wie aus dem Nichts auftauchende Kurve. Vielleicht...
