George Bernhard Shaw: «Major Barbara»
Zuallererst muss man eine Vermisstenanzeige aufgeben. Wo ist eigentlich Guido Westerwelle? Seit dem Zusammenbruch der Finanzmärkte hat er sich gemeinsam mit allen anderen Deregulierungsfachleuten zurückgezogen und liest in einem Managerseminar, möglicherweise von Rimini Protokoll angeleitet, erstmals «Das Kapital» – nun gut. Und schwitzt sich den Liberalismus aus den Knochen – auch gut. Leider allerdings ohne den schwächelnden Friedrich Merz, dem die AOK eine Extrakur auf dem Zauberberg verpassen musste – schade eigentlich.
Der schnelle Guido dagegen wird bald verkünden, dass er Keynesianer bis ins Mark sei, man die Rolle des Staates nicht unterschätzen dürfe und er dies im Übrigen schon immer gesagt habe.
Das Theater ist natürlich immer dann, wenn wirklich etwas passiert, enttäuschend: schlicht zu langsam – die anderen Medien dagegen effizient und in Echtzeit längst auf der Überholspur.
Das meiste haben Anne Will, Maischberger und Co. längst geliefert, das Theater dagegen, wie immer, auf verlorenem Posten – scheinbar.
Trotzdem sucht es nach Texten zu Geld und Finanzkrise und stößt auf erstaunlich reiche Vorratshaltung, manches von rührender Behäbigkeit, anderes erstaunlich frisch, ...
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Die derzeitige Krise des Kapitalismus wird – fürchte ich – keine kathartische Wirkung haben, keine Besinnung auf neue Werte oder politische Utopien nach sich ziehen. Da können Theologen prophezeien, dass die Tage der egomanen Geldgier gezählt sind, Feuilletonisten zur Kontrolle der Weltwirtschaftsregeln aufrufen, die Theater Stücke auf den Spielplan rufen, die...
Beweisaufnahme. Ein Lastenheber rasselt in den Bühnenuntergrund, fördert zerstörte Kunstwerke zutage. An der Indizienkette baumelt bald ein Rubens, bald ein Raffael, in Folie verpackt und verzurrt, vor allem aber: zerrissen, zerbrochen, zerschlagen. Regisseurin Christiane Pohle und ihr Dramaturg Malte Ubenauf haben das späte, sperrige Prosawerk «Alte Meister» ins...
Wer früher stirbt, ist nicht nur länger tot, sondern muss sich auch häufiger wiederentdecken lassen. Nun haben gleich zwei deutsche Theater Frühwerke von Bernard-Marie Koltès für Erstaufführungen aus der Vergessenheit auf die Bühne geholt. In seinen Zwanzigern hatte sich der französische Dichter und Theatermacher mit den großen Antihelden der europäischen Theater-...
