Let love flow

Im Düsseldorfer Schauspielhaus lässt Kieran Joel zu Mithu Sanyals «Identitti» die Identitäten flirren

Theater heute - Logo

Mitten in erbitterten Identitäts-, Privilegien- und Rassismus-Diskussionen hat die Kulturwissenschaftlerin und Autorin Mithu Sanyal mit ihrem Shortlist-Buchpreis-Bestseller «Identitti» schier Unvorstellbares geschafft: das Thema komplex zu verhandeln – und dennoch die Absurdität der Diskurs-Auswüchse so auf die Spitze zu treiben, dass befreites Gelächter auf einmal möglich erscheint.

Der Handlungskern des 450-Seiten-Romans «Identitti» ist kurz zusammengefasst: Nivedita alias Identitti, Bloggerin, mixed-race, ist verstört, weil ihre Professorin und großes Vorbild Saraswati, angeblich Inderin, geoutet wurde. Ausgerechnet diejenige, die einst alle weißen Studierenden aus ihrem Seminar hinauswarf, heißt in Wirklichkeit Sarah Vera Thielmann, ist selbst weiß und biodeutsch – und hat ein unerhörtes umgekehrtes «Passing» vollzogen, sich als Superprivilegierte eine fremde kulturelle – unterprivilegierte? – Identität angeeignet. Oder? Wenn Geschlecht fluid sein kann, dann vielleicht auch Herkunft, und überhaupt hat Sarasvatis Anmaßung mehr mit persönlicher Traumatisierung zu tun, als man zu Beginn vermutet. 

In der Uraufführung bereitet Regisseur Kieran Joel der Düsseldorferin Sanyal ein ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Januar 2022
Rubrik: Aufführungen, Seite 20
von Dorothea Marcus

Weitere Beiträge
Suchlauf 1/22

6./DONNERSTAG 20.15, arte: Feuchtgebiete 
Spielfilm (Deutschland 2013) nach dem Buch von Charlotte Roche von David F. Wnendt, mit Carla Juri, Axel Milberg, Meret Becker, Christoph Letkowski u.a.

15./SAMSTAG 20.15, ORF: König Ottokars Glück und Ende 
Trauerspiel in fünf Aufzügen von Franz Grillparzer, Wiener Burgtheater, März 2006. Inszenierung von Martin Kusej, mit...

Rohe Bürgerlichkeit

Peter Laudenbach Herr Heitmeyer, weshalb werden Künstler:innen und Kultureinrichtungen mit erschreckender Häufigkeit zum Ziel rechter Aggression? 
Wilhelm Heitmeyer Die Neue Rechte orientiert sich dabei an der klassisch linken, von Gramsci entwickelten Theorie der «kulturellen Hegemonie». Das ist strategisch nicht ungeschickt. Ein zentrales Ziel der AfD ist es, in...

Vitaler Überlebensmodus

Welt um sich spüren, nicht nur online, sondern ganz real, mit Menschen aus anderen Kontinenten in einem Raum, ist in diesen Zeiten zu einem kostbaren Gefühl geworden. Ausgiebig Gelegenheit dazu gab es im Herbst noch einmal in München. Wie durch ein Wunder hat das internationale Spielart-Festival in seinem zweijährigen Turnus genau die Lücke erwischt, in der nach...