Leipzig: Nation als Zufallsprodukt

Heinrich von Kleist «Die Hermannsschlacht»

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Deutschland ist eine unbeschriebene Landkarte, ein weißer Fleck zwischen Nichts und Nichts, ganz nah bei Detmold. Und auf diesem leeren Podest aus hellem Holz, das sich schräg nach hinten verlängert, lässt Dusan David Parizek den deutschen Urmythos Hermannsschlacht in der Kleistschen Version aufspielen. Das Figurentableau schrumpft dabei auf ein Kammerspiel zusammen. Klarheit ist das Gebot der Stunde, um all die beinahe schon trivialen Politiktaktiken des großen Arminius aka Hermann herauszustellen.

 

Dirk Lange gibt ihm den Anstrich eines ebenso coolen wie cleveren Karrieristen, der bereits während des Sprechens seine Gewinne und Verluste durchrechnet und blitzschnell die Anlagestrategie wechselt, wenn der Markt es verlangt. Kein Trendsetter, aber Trendforscher, der weiß, wo ich bin, ist vorne. Dabei sind diesem Hermann, den Lange demonstrativ unterspannt, aber doch allzeit hellwach auf die Bühne bringt, alle Eitelkeiten jenseits der edlen Fassade fremd. Die eigene Frau wird den Römern ebenso mit einem Grinsen als erotischer Köder zugeführt wie er später ein junges Mädchen als Menschenopfer für den Römerhass gebraucht, um die eigenen Kräfte zu einen: eine starke Szene, wenn Julian ...

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Theater heute Dezember 2019
Rubrik: Chronik, Seite 52
von Torben Ibs

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