Gefangen im System

Julius Heinicke sucht eine postkoloniale Theaterperspektive auf die Migrationsgesellschaft

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Am Ursprung von Julius Heinickes Habilitationsschrift «Sorge um das Offene» steht eine Enttäuschung: die Erfahrung, dass die Theater zwar erkennen, wie ihre Konzentration auf ein weißes, bildungsbürgerliches Publikum angesichts einer sich rapide wandelnden Gesellschaft ein Problem darstellt, aus dieser Erkenntnis allerdings keine künstlerisch überzeugenden Schlüsse ziehen.

 

Heinicke macht das an zwei Beispiel-Inszenierungen fest, die sich mit den Migrationsbewegungen der vergangenen Jahre beschäftigen: Elfriede Jelineks «Die Schutzbefohlenen», inszeniert von Nicolas Stemann 2014 am Hamburger Thalia Theater, und «Die Schutzlosen. Les Zéro-Morts», inszeniert von Bernhard Stengele 2015 am Theater Altenburg-Gera. Der Autor bemängelt jeweils die ungenaue Darstellung von Migration in den beiden Inszenierungen, die Fremdheit an der Hautfarbe festmacht und so rassistische und kolonialistische Narrative weiterschriebe: in «Die Schutzbefohlenen», indem die Migranten mit echten Geflüchteten besetzt würden, in «Die Schutzlosen», indem professionelle Schauspieler aus Burkina Faso auf der Bühne stünden.

Falsch ist diese Beobachtung nicht, auch wenn sie den beiden Theatermachern auf etwas ...

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Theater heute Dezember 2019
Rubrik: Büchermagazin, Seite 46
von Falk Schreiber

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