Leipzig: Letzter Tanz im Holzkasten
Und sie dreht sich immer noch. Claudia Bauer, ab nächster Spielzeit Hausregisseurin in Leipzig, nutzt bei ihrer Version von Jean Genets selten gespieltem Stück «Splendid’s» ausgiebig die Drehbühne, auf die Andreas Auerbach ein Filmstudio inszeniert hat. Das auf der Hinterbühne versammelte Publikum sitzt also vor einem geschlossenen Kasten aus Sperrholz, in dessen Innerem sich die Suite 731 eines Pariser Luxushotels befindet. Dahinein haben sich sieben Gangster und ein übergelaufener Polizist geflüchtet, außerdem beherbergt sie eine tote Geisel.
Nicht alles bleibt den Blicken der Zuschauer verborgen: Hier und da werden Teile des Sets für die Zuschauer geöffnet, während sich die Haupthandlung mittels Handkamera-Beamer-Schaltung auf die hellen, hölzernen Außenwände ergießt. Drinnen herrscht schwülstiger Stuck-Realismus mit einigem Nebel und vielen Zigaretten sowie dem Kniff, dass eines der Zimmer um 90 Grad gedreht installiert ist, was im Video immerhin ein paar lustige Effekte produziert.
Ohnehin dominiert das Video (Kai Schadeberg) den Abend mühelos. Denn es wird nicht nur die Handlung von innen nach außen projiziert und damit einmal mehr dieser Castorfsche Volksbühnen-Effekt ...
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Theater heute Juni 2015
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Torben Ibs
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