Vorsicht, Regie!

Festival: «Radikal jung» zum elften Mal im Münchner Volkstheater

Theater heute - Logo

Für ein Festival, das auf junge Regie abzielt, wie das heuer zum elften Mal vom Mün­ch­ner Volkstheater ausgerichtete «Radikal jung», ist diese Produktion in gewisser Weise ein Must-have mit Knock-out-Risiko. «Regie», konzipiert von der Gruppe Monster Truck in Zusammenarbeit mit dem Theater Thikwa, überträgt drei professionellen Performern mit Down-Syndrom die Inszenierungshoheit und entfacht damit ein Kreuzfeuer voyeuristischer Blicke, stellt eingefahrene Hierarchien auf den Kopf oder zumindest in Frage und erzeugt durch­aus gemischte Gefühle.

 

An der Vorgängerproduktion «Dschingis Khan» (ebenfalls bei «Radikal jung» zu sehen) entzündete sich 2012 die Debatte, inwiefern Menschen, die man vor einiger Zeit noch als «mongoloid» bezeichnet hätte und die hier im zitierten Format einer Völkerschau und dirigiert von einer Art pädagogischer Dompteuse nach allen Regeln des Klischees Mongolen darstellen, in einem anderen Sinne «benutzt werden», wie sich ein Kriti­ker ausdrückte, als «normale» Schauspieler in jeder x-beliebigen Theateraufführung. 

 

«Regie» dreht die Schraube eine Windung weiter, indem die drei nun ihrerseits als Regisseure auftreten und dabei ganz buchstäblich machen, was ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juni 2015
Rubrik: Magazin, Seite 66
von Silvia Stammen

Weitere Beiträge
Spiel mit dem Feuer

Für einen Ort, an dem ein Theater der Superlative entsteht, sieht die Pastorijstraat 23 eher unscheinbar aus. Das Probenzentrum von Jan Fabres Performance-Truppe Troubleyn, benannt nach dem Mädchennamen seiner Mutter Helena, befindet sich im ehemaligen Antwerpener Arbeiterviertel nordöstlich des Hauptbahnhofs. Fabre ist hier um die Ecke aufge­wachsen, als Sohn des...

Zurück zur Frage

Ein Freitag im März, 17.00 Uhr. In circa einer Stunde geht in Israel die Sonne unter. Dann beginnt der Sabbat. Durch die Gassen und über die kleinen Plätze des Viertels Mea Shearim in Jerusalem huschen Männer in langen schwarzen Mänteln; unter gewaltigen Fellmützen winden sich Schläfen­locken hervor, in der Hand halten sie Plastiktüten voll mit Einkäufen. Sobald...

Berlin: Plastik & Plastik

So kann man Dr. Heinrich Faust auch sehen: ein adretter Herr im dunklen Anzug, grelle Blässe im Gesicht, je nach Alter mal mit, mal ohne Bart, der gerne und viel redet. Solche mittleren Univer­sitätsangestellten sind mehr denn je verbreitet, weshalb der wortreich hadernde Herr Professor in «Faust I» gleich viermal vertreten ist und sich die Versbrocken brav...