Leipzig: Herzscheiße
Die Zombifizierung des Menschen im Maschinenzeitalter ist länger schon ein Thema für Claudia Bauer. In Dortmund setzte die Regisseurin Fassbinders «Welt am Draht» um. In Leipzig ließ sie jüngst für Wolfram Hölls «Und dann» Puppenmenschen wie von Radiowellen gesteuert durch ein surreales Erinnerungshaus schlurfen. Unter Pinocchiomasken.
Es ist gefühlt kein weiter Weg von dort bis zu einem der Meilensteine der neueren Mensch-Maschine-Science-Fiction: Fritz Langs Stummfilmepos «Metropolis». Bauer spinnt die expressionistische Bilderwucht der Vorlage weiter.
In einem verwinkelten Kubus lässt sie den Fabrikantensohn Freder Fredersen umherirren, in goldenem Ganzkörperanzug, wie ein Android. In Comicschrift, projiziert auf die Außenwand des Kubus, leiht sie seinem stummen Tun Worte. Kinder mit aufgeblähten Köpfen, Pinocchioaugen und Schweinsbacken à la «Farm der Tiere» nahen. Diesen Schwellkopfproletariern wird sich Freder beigesellen, unten «in der Tiefe», im Energiezentrum der Metropole: bei der «Herz-Maschine».
«Herz-Maschine» klingt nach «Herzscheiße», um den Liedermacher Fanny van Dannen zu zitieren. Und «Herzscheiße» ist natürlich auch drin in Langs Film. «Der Mittler zwischen Kopf ...
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Theater heute April 2016
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Christian Rakow
Drei Männer joggen im Karree. Nach olympischem Übereifer sieht das nicht aus, eher nach dieser Sorte pflichtschuldiger Nachlässigkeit, die zu sehr viel früheren Zeiten dem Kirchgang vorbehalten war. Aber bitte, man joggt.
Man, das ist in diesem Fall Mann, der Scheitel schon schütter, doch die Bauchmuskeln straff, geschuldet hundert Sit-ups täglich. Sagt Mann....
Bis dass der Tod euch scheidet. Es ist jener Moment, der aus Gemeinschaft Einsamkeit macht. Aus dem Zusammenleben ein Singledasein. Aus Eheleuten Verwitwete. Sechs Frauen, die das erlebt haben, sitzen in Stuttgart auf rotgepolsterten Stühlen, neben ihnen jeweils ein Schauspieler. Knapp über 50 ist die jüngste, fast 80 die älteste der Witwen.
Aus Interviews mit...
Aufführungen
Er war der erste, der sich an die ganz, ganz dicken Schmöker getraut hat: Frank Castorf, der seit zwanzig Jahren nicht nur Dostojewski zu langen, langen Theaterabenden kompiliert. Am Münchner Residenztheater hat er sich jetzt Jaroslav Haseks 1000-seitigen Schelmenroman «Die Abenteuer des guten Soldaten Svejk im Weltkrieg» vorgenommen, Länge des Abends...
