Lebt man ewig so?
Was im Berlinale-Special läuft, ein buntes Bukett von Historischem, Neuem, gern auch gala-mäßig im Friedrichstadt-Palast, sucht Berlinale-Chef Dieter Kosslick höchstpersönlich aus. Dieser Umstand verspricht eher kulinarisches Kino (eine ganze Reihe unter diesem Titel, mit Abendessen kombiniert, gibt es mittlerweile auch). Auch gelungene Hausmannskost findet hier ihren Platz, Kino für Bauch und Herz.
So kocht Otti.
Fünf Ehemänner hat sie nichtsdestotrotz unter die Erde gebracht (von der langweilig verheirateten Tochter Renate neidvoll kommentiert), Rudi, der sechste, ist bettlägerig. Doch Otti stürmt über den Friedhof, immer zwei Schritte schneller als Enkel Holger (Samuel Schneider), ein Junge von zwölf Jahren, noch zwischen allen Welten und Zeiten, der still und staunend das Treiben der Alten und Mittelalten beobachtet. In Torsten Schulz’ Roman «Boxhagener Platz» (2004) war die ganze Geschichte aus seiner Perspektive erzählt, und auch Regisseur Matti Geschonneck scheint ein wenig in die Haut dieses so distanzierten wie involvierten Kindes geschlüpft zu sein, dem die Welt so ist, wie sie ist: alltäglich und erstaunlich im selben Gang.
Es ist die Welt von ’68, dem Jahr, als sich ...
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Ganz auf der Höhe der Zeit ist es nicht. Ein Körperscanner wurde nicht installiert auf der Bühne des Düsseldorfer Schauspielhauses, die Justyna Lagowska einer Abfertigungshalle mit Raucherkabine, Gepäckband und Sitzbänken nachgebaut hat. Last Exit: Gefahrenzone. Leben im Wartestand. Denn die Paare und Passagiere heben ihre Häupter gen Himmel, von dem nichts Gutes...
Wuppertal hat ’ne ganz eigenartige Melancholie. Ich bin früher da zur Schule gegangen, hab lange Jahre dort gelebt, glaube, das ist die Stadt mit den meisten Treppen der Welt. Ich liebe die Stadt dafür und für ihre eigenartige Tristesse. Aber wenn man da das Theater wegnimmt, werden selbst diejenigen, die überhaupt nicht ins Theater gehen, es früher oder später...
Um es gleich mal vorweg zu sagen: Hier geht es nicht um Unterschichts-Tristesse und Statusverlustängste von ehemals Besserverdienenden. Oder zumindest nicht so, wie man es in letzter Zeit gewohnt ist – gepaart mit trüben Aussichten und chronischer Weltuntergangsparanoia. In Sebastian Nüblings Münchner Kammerspiel-Inszenierung von «Endstation Sehnsucht» ist man...
