Verlust ohne Reue
Um es gleich mal vorweg zu sagen: Hier geht es nicht um Unterschichts-Tristesse und Statusverlustängste von ehemals Besserverdienenden. Oder zumindest nicht so, wie man es in letzter Zeit gewohnt ist – gepaart mit trüben Aussichten und chronischer Weltuntergangsparanoia. In Sebastian Nüblings Münchner Kammerspiel-Inszenierung von «Endstation Sehnsucht» ist man gerade dabei, es sich in der Krise so richtig gemütlich zu machen – zu Recht, schließlich könnte es für länger sein.
Als Tennessee Williams in den wirtschaftlichen Aufbruchsjahren nach dem Zweiten Weltkrieg seinen Erfolg als Dramatiker begründete, gab es zwar die Absteiger aus der verlorenen Selbstherrlichkeit der Südstaatenoberschicht, aber auch jede Menge potenzielle Aufsteiger aus der Masse der mittellosen europäischen Einwanderer. Manchmal begegnete man sich, beispielsweise in einem ärmlichen Appartement im französischen Viertel von New Orleans, für einen Moment voller Ressentiments, gegenseitiger Begehrlichkeiten und einer rauen Gier. Heute geht die Rutschpartie meist one way von oben nach unten. Man richtet sich ein, wo immer man vorübergehend Halt gefunden hat, ist doch nicht damit zu rechnen, dass es so bald ...
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Lieber, lieber, sehr verehrter Frank Castorf, bitte machen Sie doch einmal in Ihrem Leben eine Inszenierung, die nicht über zweieinhalb Stunden dauert. Ich schwöre Ihnen: Es würde meine Lieblingsinszenierung des Jahrzehnts, mindestens, denn dass Sie eigentlich ein wunderbarer Regisseur sind, das ist Ihrem fünfstündigen «Hofmeister» von und nach J.M.R. Lenz im...
Dea-Loher-Rezipienten lassen sich pauschal in zwei Gruppen teilen. Die einen, nennen wir sie Realisten, finden nach der Lektüre oder dem Besuch ihrer Stücke: So ist das Leben. Spätestens unterm Strich sind wir schließlich alle Enttäuschte, Traumatisierte, Gekränkte, Versehrte, vom Schicksal Betrogene und irgendwann Tote, und Dea Lohers Dramatik verleiht dieser...
Thomas Assheuer Herr Haneke, für Ihren Film «Das weiße Band» sind Sie mit Lob überschüttet worden, in Cannes gab es 2009 dafür die Goldene Palme, und den Europäischen Filmpreis haben Sie auch bekommen. Vor allem für die Kinderszenen hat man sie gefeiert. Wie haben Sie die Kinder gefunden?
Michael Haneke Es war viel Arbeit. Wir wollten ja nicht nur begabte Kinder...
