Die Wiederkehr des Reifrocks
Wenn Kritiker die mühsame Aufgabe präziser Schauspielerbeschreibung ein wenig abkürzen wollen, stellen sie gern in den hoffentlich irgendwie funktionierenden Echoraum des Textes neben das allgemein gehaltene charakterisierende Adjektiv («schüchtern, entschlossen, großkotzig») einfach das Naheliegendste: was der/die da vorne anhat.
Das zeugt eigentlich von tiefem Vertrauen in die Aussagekraft von Kleidungsstücken: Wenn Hedda ein blaues Kleid anhat und Platonov eine grüne Hose, wird das schon etwas zu bedeuten haben! Die Namen der Erfinder vom Blau-, Grün- oder Rot-Signifikanten sucht man allerdings meistens vergeblich in Texten, die nie den Bühnenbildner und schon gar nicht den Regisseur weglassen würden.
Sie sind eine vernachlässigte Gattung auf dem Theater, die Kostümbildner. In den letzten zehn Jahren gab es nur fünf Mal überhaupt eine(n) Kostümbildner(in) des Jahres in dieser Zeitschrift; man schreibt auch gerne «keines» in den zweiten Teil der Rubrik «Bühnen- und Kostümbild», die doch längst nicht mehr quasi naturgemäß in einer Hand liegen. Durchaus nicht ohne Grund: Allzu oft sind Kostüme ja auch wie unsichtbar, die Röcke aus dem Fundus, die Hemden von P&C, die Mäntel aus ...
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Theater heute Jahrbuch 2011
Rubrik: Die Kleider des Jahres, Seite 116
von Barbara Burckhardt
Theater heute Drei Regisseure, die sich entschlossen haben, Verantwortung für ein Theater zu übernehmen, sitzen hier am Tisch: Johan Simons ist bereits seit einem Jahr Intendant der Münchner Kammerspiele, Martin Kusej übernimmt zur nächsten Spielzeit das Bayerische Staatsschauspiel in München, Staffan Valdemar Holm das Schauspielhaus in Düsseldorf. Eine Runde von...
Ich bin gebeten worden, über etwas zu schreiben, das mich wütend macht, und angesichts der Welt, wie sie ist, befinde ich mich ohnehin fast ständig in einem Zustand von anschwellender Wut. Es sollte also nicht schwierig sein. Aber seltsamerweise werde ich nicht über etwas schreiben, das mich ärgert, sondern über etwas, das mich verwirrt. Schon dieser Umstand macht...
Das ist der Tod, der vor mir steht – lacht!» Mit diesem Motto beginnt Emine Sevgi Özdamars Umwidmung eines barocken Totentanzes zu einem Memento mori in sieben Szenen, zu einem grausigen und komischen Spiel über Krankheit, Verlassenwerden, Sterben im Exil und die Kraft, die der Mensch dagegen mobilisieren kann. Sie feiert keinen Kult der Vergänglichkeit, in dem...
