Lazarus Adam
Der Himmel setzte ein Zeichen. Kleists Dramen handeln ohnehin von einer höheren Ordnung, die menschliche Vernunft dumm aussehen lässt. Da mochte der Big Bang wohl passen. Just in dem Moment, da Dorfrichter Adam überführt wird und das Weite sucht, knallte ein Gewitter über dem Dach des Salzlagers der Kokerei Zollverein. Das wars aber auch schon mit den himmlischen Mächten.
Hatte Andrea Breth 1990 in Wien noch in Kleists Lustspiel mit Flammenschwert und sakralem Orgelklang die metaphysische Dimension aufgedeckt und eine kosmische Katastrophe evoziert, ist nun in Essen zwar auch die Welt aus den Fugen, aber als real existierende Bürokratie. Wir sind ganz im Diesseits. Auf der Guckkastenbühne (Annette Murschetz) hat sich die überforderte Justiz eingerichtet. Der Überbau ist eingestürzt, übrig bleibt augenscheinlich der Stellenabbau. In einem gestopft vollen Archiv unter kaltem Neonlicht stapeln sich Akten auf Tischen und an den abblätternden schäbigen Wänden und quellen aus den Schränken. Im ausgelegten Stroh hat sich ein Ferkel eingerollt. Hier sieht jeder Halm aus, als sei er speziell gecastet für einen altmeisterlichen, bis ins Detail durchdachten Realismus, dessen Stallgeruch ...
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Zierlicher ist es, das neue Logo, mit dem Thalia-Intendant Joachim Lux die Litfaßsäulen Hamburgs schmücken ließ. Zierlicher, strenger und doch merkwürdig vertraut. Aus dem gemütlichen Thalia-Tempel Ulrich Khuons, über dem der Morgenstern aufging, ist mit denselben Stilmitteln ein Strichmännchen geworden, das jederzeit losmarschieren könnte: Kontinuität, Neubeginn...
Mal angenommen, die Personnage erklärte sich mit dem Komödienfinale à la Eugène Labiche nicht einverstanden. Der Galan der Ehefrau würde selbige also nicht wieder hergeben, der düpierte Ehemann wäre nicht so blöd, sich hinters Licht führen zu lassen, das Pferd des Privatiers Fadinard fräße auch den nächsten Florentinerhut oder der taube Onkel Vézinet bestünde...
Das wichtigste Requisit des folgenden Textes ist die Mobility Bahncard 100. Die kleine schwarze Karte ist der Rolls Royce unter den Bahncards; nichts für Pendler oder Vielfahrer, eher für Süchtige und Nomaden. Mit ihr kann man, so die Bahn, «einfach einsteigen und losfahren». Zug-Junkies zahlen schlappe 3.650 Euro im Jahr (oder 335 im monatlichen Abo), um permanent...
