Langeweile und Ekstase
Anders als das Fernsehen macht das Radiohören beim Prix Europa ein Geräusch: Es ist das kollektive Blättern, wenn das Publikum gemeinsam die Manuskriptseiten umwendet, um einem lettischen oder georgischen, einem französischen oder russischen Hörspiel zu folgen. Was sich nicht hörend erschließt, dem spürt man auf den Doppelseiten in Originalsprache und englischer Übersetzung nach. Man versucht, der Handlung zu folgen oder zumindest den Sounds, wenn sie denn detailgenau transkribiert worden sind.
Das kann spätestens dann problematisch werden, wenn die Originalsprache ein eigenes Alphabet hat, wie das Griechische, das Kyrillische oder das Georgische.
Dieses Jahr hatten die Teilnehmer an der Hörspielsektion des Prix Europa, die sich vom 15. bis 22. Oktober im Berliner Haus des Rundfunks des RBB trafen, wenig Probleme, den 42 Einreichungen zu folgen. Denn die meisten Stücke waren so konventionell gebaut, dass die täglichen Diskussionen mehr einem Workshop für szenisches Schreiben glichen als einer Auseinandersetzung über die radiophonen Möglichkeiten des Hörspiels. Denn im Unterschied zu anderen Wettbewerben sind beim Prix Europa die Macher selbst die Jury. Täglich diskutieren ...
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Das Spiel der Macht ist ohne Zweifel ein Schachspiel. Man wechselt Position und Richtung, wenn es die Situation erfordert. Setzt auf Figuren, um sie im nächsten Moment der Taktik zu opfern. Und hofft, dass am Schluss die eigene Strategie aufgeht.
Im Sinne einer solchen Spielanleitung hat Frank-Patrick Steckel «Othon» von Pierre Corneille verstanden und die selten...
Es gibt da diese eine These, die man im letzten Jahr mehr und mehr hörte, sobald die Rede auf Fernsehen und Kino, auf Stars und TV-Sternchen kam. Das Fernsehen sei mittlerweile interessanter, wenn nicht gar «besser» als das Kino. Noch hat diese These mehr den Status eines Gerüchts; man hört das immer wieder, aber man weiß nicht so recht, ob es nun wirklich stimmt....
So kennt man ihn. Immer mit einem Programmheft in der Hand, das er dem Gesprächspartner auf jeden Fall zusteckt. Neuerdings legt er noch einen drauf und überrascht den Premierenbesucher mit einem Sektglas und der blauen Blume der Romantik im Revers. Man darf sinnieren, ob er mit dem blauen Touch lediglich sein «Ich krieg euch alle»-Lächeln untermalen will oder...
