Der Hamlet von Ostwestfalen

Nuran Calis «Dogland»

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Heimat steht nicht hoch im Kurs im ach so progressiven deutschen Theater. Was soll man da mit einem Stück anfangen, das den Mittelteil einer «Heimattrilogie» stellt, wie «Dogland» von Nuran David Calis? Wie schon bei seinem Erstling «Dog eat Dog», der vor zwei Jahren am Thalia-Theater uraufgeführt wurde, ist der Ort der Handlung die Bielefelder Plattenbausiedlung Baumheide. Dort ist Calis als Sohn armenisch-jüdischer Eltern aufgewachsen. «Dog eat Dog» handelte von der Sehnsucht nach einem Leben jenseits von Baumheide. Nachts hielt hier ein Bus, der nach Süden bis ans Meer fuhr.

«Dogland» nun erzählt nicht mehr von Träumen, sondern von der Heimkehr und von der spießigen Kleinbürgerlichkeit derer, die geblieben sind. Vor zehn Jahren hat Memo (Andreas Hilscher) die Heimat verlassen. Er wurde Legionär, ohne Grund und Entschuldigung. Seine Rückkehr aber hat einen Grund. Als er in den Krieg zog, starb sein Vater Massud. Bis heute hat er keinen Grabstein. Memo hat einen Stein mitgebracht, er will seinem Vater einen Grab­stein hauen.

Wie in Stein gehauen steht auch Memo auf der Bühne. Breitbeinig und mit auf der Brust verschränkten Armen. Wie in Stein gehauen stehen meist die anderen ...

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Theater heute Dezember 2005
Rubrik: Chronik, Seite 39
von Kai Bremer

Vergriffen
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