Das glückliche Paar
Das kann jedem passieren: eine einigermaßen glückliche Ehe, kinderlos, deren Teilnehmer sich auch nach vielen Jahren noch gerne ins Gesicht sehen, tanzen gehen, gemeinsam Urlaub machen. Dann bricht Regine plötzlich im Bad zusammen, Schlaganfall, Pflegefall, schlimmster Fall: bewegungsunfähig bis auf die Augenlider, der Rest des Lebens ein Verdämmern.
Jan Neumann hat geschrieben, was man ein Problemstück nennt, ohne vorzutäuschen, dass dieses Problem lösbar wäre.
Er geht in nüchternen Einzeiler-Dialogen die folgenden Stationen ab, sachlich, ohne falsche Emotion und vor allem ohne von oben herab zu kommentieren. Bleibt stattdessen immer streng auf Augenhöhe der Situationen in Krankenhaus/Heim/Freundeskreis/Familie, das Wasser steht seinem überforderten Ehemann Karl hoch genug. Am Ende wird er Regine mit ein paar Tabletten einen gnädigen Ausweg verschafft haben, ein paar Jahre mit Bewährung akzeptiert er dafür gerne. Selbst über das ideale Debattenthema Sterbehilfe wird nie problemstückdebattiert.
Wenn Markwart Müller-Elmau den zerfledderten Gummibaum umarmt, sieht man das wirklich glückliche Paar: zwei, die zusammenpassen in ihrer Lust an der Trauer. Die trostlos hängenden ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Neuerdings sind Ibsens bürgerliche Damen ziemlich schnell mit der Knarre. Anne Tismers Nora hatte ihren Helmer vor drei Jahren an der Schaubühne so nachhaltig durchlöchert, dass er mit seinem letzten Satz im überschwappenden Aquarium landete. Susanne-Marie Wrages Hedda Gabler 2003 in Basel kugelte wie Halle Berry durchs Wohnzimmer, die Beretta nach halbem...
Im Französischen meint «Jalousie» zweierlei: die Eifersucht und den Lamellenvorhang, der ein Geschehen hinterm Sichtschutz vor fremden Augen verschließt. Mit dieser Doppelbedeutung arbeitet Klaus Weises Inszenierung von Eugene O’Neills «Trauer muss Elektra tragen», für die ihm Manfred Blößer den entsprechenden Raum baute. Einen «Tempel des Todes» soll das Haus der...
Oft, wenn Tim Staffel einen bekannten (Roman-)Stoff bearbeitet («Moby Dick», «Das Schloß» oder «Solaris» zum Beispiel jüngst), hat man den Eindruck, dass er es sich recht einfach macht. Und man fragt sich überhaupt, was das soll, episch komponierte Meisterwerke in dieser Digest-Form auf die Bühne zu bringen: Das Wiedererkennen reduziert sich auf eine verknappte...
