Lob der Verschwendung

Die Münchner Kammerspiele starten mit dreifachem Einsatz in die neue Spielzeit

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Man mag Mottos mögen oder nicht, die Münchner Kammerspiele haben sich für die neue Saison jedenfalls nicht irgendein wohlfeiles Klassikerzitat als Wahlspruch angeheftet, sondern gleich ein Gebot von beinahe biblischem Format aufgestellt: «Du sollst nicht sparen» prangt da mit golde­nen Lettern auf dem Titel des Spielzeithefts, und als dekorativer Hintergrund dienen die schicken weißen Waben der neuen Allianz-Arena samt Namens­zug des Sponsors (wofür es aber, laut Aussage des Hauses, keinerlei finanziellen Transfer gegeben haben soll).

Angesichts wild um sich sparender Politiker und manchmal fast schon vorauseilender Sparbeflissen­heit seitens der Kultureinrichtungen, kann solch ein offensives Gegenwort gewiss nur gut tun – selbst wenn dabei, immerhin haben wir es hier mit einem der reichsten Schauspielhäuser der Republik zu tun, für manche auch eine gehörige Portion Koketterie mitschwingen mag. Aber schließlich bedingen sich Notwendigkeit und Verschwendung nirgendwo so unmittelbar wie in der Kunst. Wer sie in erster Linie – und sei es auf dem berühmten Umweg – rentabel machen will, entwertet unweigerlich den eigenen Einsatz. Gewinnen kann nur, wer zunächst einmal bereit ist, sich ...

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Theater heute Dezember 2005
Rubrik: Neue Stücke, Seite 50
von Silvia Stammen

Vergriffen
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