Kunst, Kritik und Kuratoren
Es gibt ein paar altertümliche Fragen, mit denen man den meisten Beteiligten des Kunstgeschäfts besser nicht kommt, will man sich eine arrogante Antwort ersparen.
Zum Beispiel, was eigentlich der Sinn von Kunst ist? Oder was sie bezwecken soll? Vor allem aber die Frage, wie unterscheidet sich Kunst von Wirklichkeit? Gibt es überhaupt noch Grenzen, nach denen sich etwas nicht mehr zu Kunst erklären lässt?
Dass diese Fragen in einem Super-Kunst-Sommer wie 2017, wo der Tross der Sammler, Galeristen und Kunstnomaden von einer perlenden Eröffnungsschau zur nächsten über den europäischen Kontinent reiste, plötzlich doch wieder stören, hat mit den vielen Krisen zu tun, die den kommerziellen Sinnzusammenhang von Kunst gerade angreifen. Die gigantische Überproduktion an Arbeiten durch den Boom der Ausstellungsformate forciert ein Empfinden von maßloser Beliebigkeit und nicht mehr existierenden Qualitätsmaßstäben. Der merkantile Zynismus des Galerie- und Vermarktungswesens, das in den vergangenen Jahrzehnten extrem erfolgreich darin war, den Preis eines Kunstwerkes als seinen wesentlichen Wert zu etablieren, hat den Glauben an die aufweckende Wirkung von Kunst auch ziemlich ausgelöscht.
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Theater heute August/September 2017
Rubrik: Kunst und Theater, Seite 44
von Till Briegleb
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